DermatologieSchönheitspflege

Stichwort Fettverteilungsstörung

LipödemBildquelle: Panthermedia

Obenrum schlank, unterwärts eher unförmig. Viele Frauen kennen das Problem und kämpfen mit Diäten dagegen an, leider vergeblich. Während der Busen bei Fastenkuren kleiner wird, tut sich an den Oberschenkeln so gut wie nichts. Kann auch nicht, denn die Ursache der Misere sind krankhaft veränderte Fettzellen, genannt Lipödem.

„Was für eine hübsche schlanke Frau! Wenn sie nicht nur so stämmige Beine hätte. Schade.“ Solche Bemerkungen, oft hinter vorgehaltener Hand, kennen und erleiden Tausende von Frauen vom Teenie- bis ins fortgeschrittene Alter. Ansonsten durchaus normalgewichtig haben die Betroffenen überdurchschnittlich dicke Beine und manchmal auch Arme. Dabei handelt es sich nicht nur um ein optisches, sondern vor allem ein gesundheitliches Problem, das nichts mit „zu dick sein“ zu tun hat. Als wenn der Leidensdruck durch die unschöne Optik nicht schon groß genug wäre, kommen auch noch Schmerzen und Hämatome dazu. Wie kann das sein und was lässt sich tun?

Die Krankheit, die hinter diesem Phänomen steckt, heißt Lipödem. Sie betrifft die Beine, manchmal auch das Gesäß und die Arme. Der Rumpf, Hände und Füße bleiben vom Lipödem unbeeinträchtigt, so dass ein deutliches Missverhältnis bei den Proportionen von Ober- und Unterkörper besteht. Bei einem Lipödem nimmt das Fettgewebe der Unterhaut an beiden Beinen symmetrisch zu und lagert Wasser ein. Im Unterschied zur Fettzunahme bei Übergewicht wachsen jedoch nicht die einzelnen Fettzellen, sondern das Fettgewebe an sich verändert sich: Die Zahl der Fettzellen steigt, wodurch das Fettgewebe der Unterhaut dicker wird. Beim Lipödem sind die Strukturen, die die Fettzellen zusammenhalten, stärker und auch vermehrt vorhanden. Die Fettzellen liegen zu mehreren als Läppchen organisiert im Gewebe vor und bilden als Folge tastbare Knötchen in der Unterhaut. Außerdem kommt es beim Lipödem zu einer Erkrankung der kleinsten Blutgefäße, in deren Folge ihre Durchlässigkeit zunimmt. Gleichzeitig filtriert der Körper mehr Wasser aus dem Blut, welches durch die durchlässigeren Gefäßwände leichter ins umliegende Fettgewebe gelangt und dort aufgenommen wird. Auf diese Weise bildet sich oberhalb der Hüllschicht des Bindegewebes (Faszien) ein Ödem, so dass das Gewebe stark spannt. Diese Wasseranstauung ist der Grund, warum das betroffene Gewebe sehr schmerzhaft auf Druck reagiert. Darüber hinaus kommt es aufgrund der durchlässigeren Kapillaren rascher zu blauen Flecken, schon bei kaum wahrnehmbaren kleinen Stößen. Das Fettgewebe wird langfristig delliger und wulstiger. Über die Jahre belastet die Erkrankung zunehmend die Lymphgefäße und stört im Verlauf auch den Lymphabfluss. Auf diese Weise kann sich zusätzlich zum Lipödem ein Lymphödem ausbilden.

Meist beginnt ein Lipödem bereits kurz nach der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft. Deshalb vermuten Experten hormonelle Ursachen. Die Hormone setzen einen Mechanismus in Gang, der die Zellen teilt und doppelt so schnell wachsen lässt wie normales Fett. So kommt es, dass schlanke sportliche Mädchen und Frauen scheinbar plötzlich und ohne ersichtlichen Grund an den betreffenden Körperstellen dick werden, was gerade in der Pubertät zu mentalen und körperlichen Problemen führt. Auf Sport oder Diätversuche reagiert das Fettgewebe leider nicht. Manche Betroffene berichten von Symptomen wie einem unangenehmen Spannungs- oder Druckgefühl. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Wärme, langem Stehen oder Sitzen sowie zum Abend hin. Obwohl das Krankheitsbild im Grunde bereits seit mehr als 70 Jahren bekannt ist und sich im Prinzip bereits früh erkennen lässt, scheint das Lipödem manchen Ärzten kaum geläufig zu sein. So geschieht es immer wieder, dass Betroffene erst nach Jahrzehnten eine korrekte Diagnose und damit auch eine passende Behandlung erhalten. Der beste Ansprechpartner, um ein mögliches Lipödem abzuklären, ist ein Phlebologe, Lymphologe oder Gefäßspezialist. Was ein Lipödem genau auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich gibt es auch eine erbliche Komponente.

Die Bildung eines Lipödems lässt sich leider nicht mehr vollständig rückgängig machen. Doch mit einer gezielten Behandlung können die Symptome in Schach gehalten werden. Bei einem Lipödem ist das erste Ziel der Behandlung, das im Gewebe gespeicherte Wasser so weit wie möglich zu verringern beziehungsweise das Gewebe zu entstauen. Das lässt sich mit zwei Methoden erreichen: mit physikalischer Entstauungstherapie und/oder über Kompressionsverbände bzw. Kompressionsstrümpfe, um zu verhindern, dass sich das Lipödem verschlimmert. Nach einer erfolgreichen Entwässerung des Lipödems kann deshalb eine Fettabsaugung (Liposuktion) infrage kommen, bei der der Arzt übermäßiges Fettgewebe entfernt. Obwohl eine Kombination aus komplexer physikalischer Entstauungstherapie und Fettabsaugung als Behandlung von Experten empfohlen wird, zählt die Fettabsaugung noch nicht zu den Standardtherapien beim Lipödem. Aus diesem Grund müssen Betroffene die Kosten für eine Fettabsaugung in der Regel selbst tragen, da der Eingriff von den Krankenkassen bislang als reine Schönheits-OP gewertet wird. Inzwischen treffen Krankenkassen mitunter aber Einzelfallentscheidungen und übernehmen einen Großteil der Kosten. Wer sich operieren lassen möchte, sollte dabei ausdrücklich einen Arzt wählen, der Erfahrung mit dem gesamten Krankheitsverlauf hat und nicht nur auf kosmetische Liposuktion spezialisiert ist. Auch diese Maßnahme kostet Zeit und vor allem Geld – bis zu 5.000.- Euro pro Eingriff, abhängig vom Befund. Aber die Langzeitergebnisse können sich sehen lassen. Untersuchungen über einen Zeitraum von bis zu elf Jahren nach der Liposuktion zeigten, dass die Beine unverändert schlank und die Körperproportionen unverändert normal waren.

 

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