Gleiches Recht für alle: Im Zuge des wachsenden Gleichbehandlungs-Trends unter den Geschlechtern streiken neuerdings immer mehr Frauen bei der Körperhaar-Rasur. Wie die Männer zeigen sie jetzt selbstbewusst ihre unrasierten Achseln und Beine. „Ich habe mich nie so befreit gefühlt“ ist da auf Instagram zu lesen. Der Trend ist nicht neu. Was sollen wir davon halten?

Wer schön sein will, muss leiden

Fast alle Deutschen entfernen Haare an ihrem Körper, vor allem die Frauen. Die rasieren bevorzugt die Unterschenkel und vor allem die Achselhöhlen. Wobei das Wort Rasur als Oberbegriff für viele Enthaarungsmethoden gesehen werden darf: Zupfen, Wachsen, Sugaring, Epilieren, Lasern, Schaumenthaarung oder eben Rasieren mit Klinge oder Rasierapparat. Was simpel klingt, kann so manchen aber durchaus an den Rand der Verzweiflung bringen, denn Haare pflegen nachzuwachsen, schneller oder langsamer, je nach Methode, mit mehr oder weniger kratzenden Stoppeln oder juckenden roten Püstelchen durch eingewachsene Haare oder Hautreizung. Ganz zu schweigen von den Schmerzen, die viele Enthaarungsmethoden mit sich bringen. Wer schön sein will, muss leiden, heißt es im Volksmund. Was liegt also näher, das Schönheitsideal zu verlagern und Körperbehaarung als schick zu favorisieren? Und womöglich haben Körperhaare ja auch eine spezielle Funktion.

Haariger Natur-Look

Viele Stars und Sternchen propagieren immer mal wieder den haarigen Natur-Look. Zu Hippie-Zeiten war „Hair“ überhaupt das Größte. Die Angehörigen der 68-Generation verirrten sich gerne in einem wahren Intimbereich-Dschungel. Man denke an die Pop-Ikone Nena, die in den 80er Jahren mit deutlich wuchernden Achselhaaren die Bühne rockte. Oder an Madonna und ihre Tochter, die auf Instagram mit behaarten Achseln posierten und damit für Gesprächsstoff sorgten. Aktuell springen etliche Social Media People auf den gleichen Zug auf. Bewusstes Trend-Setting oder echte Befreiung? Ein weiterer Auswuchs der Me-too-Bewegung? Sprechen heute noch handfeste Gründe für das Belassen der natürlichen Körperbehaarung? Mit Ausnahme der Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare, die nach wie vor wichtige Schutzfunktionen erfüllen, haben Körperhaare heutzutage kaum mehr natürliche Funktionen wie z. B. Wärmespeicherung oder Sonnenschutz. Die übernimmt jetzt die Kleidung. Doch Haare steigern die Berührungsempfindlichkeit der Haut. Und Achselhaare fangen Schweißtropfen ab und halten die Haarkanäle öffnen, so dass sich Talg und Duftstoffe entleeren können. Wer Achselhaare rasiert, muss damit rechnen, dass die nachwachsenden Haare sich evtl. im Kanal verfangen und so zu einer Entzündung führen. Mit unrasierten Achseln ist man sozusagen auf der medizinisch sicheren Seite. Unangenehme Gerüche sind erst dann zu befürchten, wenn man Bakterien nicht daran hindert, ihre Arbeit aufzunehmen.
Ob man sich nach Enthaarung als hygienisch reiner fühlt, unterliegt der subjektiven Wahrnehmung und dem persönlichen ästhetischen Empfinden. Oder der Mode. Es ist jedem selbst überlassen, ob man glatte Haut vorzieht oder die Haare stehen lässt. Wichtig ist nur, dass man bei der Haarentfernung darauf achtet, die Haut nicht zu verletzen und die gesamten Haarfollikel zu zerstören. Denn dann hätten die Drüsen keine Möglichkeit mehr, Talg, Duftstoffe und Pheromone freizusetzen, die wichtige Sexualsignale geben. Und wer weiß schon, wie lange welcher Trend anhält?