Angesichts der zahllosen Flaschen und Tiegel, die unsere Badezimmer überschwemmen, liegt die Frage nahe, ob nicht hin und wieder ein Unisex-Pflegeprodukt zu mehr Übersicht im gemeinsamen Bad führen würde. Ansetzen könnte man zum Beispiel beim Haarshampoo – oder etwa nicht?

Eines vorweg: Haar ist grundsätzlich gleich Haar bei Mann und Frau, was den Aufbau des einzelnen Haares betrifft. Doch jeder kennt die typischen Haarprobleme wie fettiges Haar, trockenes Haar oder Schuppen. Diese resultieren in der Regel aus dem Zustand der Kopfhaut und dem Einfluss äußerer Umstände – bei Männlein wie Weiblein. Ist es also sinnvoll, bei – sagen wir mal fettigem Haar – einem Mann ein anderes Shampoo zu empfehlen als einer Frau?

Wer Fettsträhnen unattraktiv findet, wäscht seine Haare sicherlich öfter, unabhängig vom Geschlecht. Wer lange Haare hat, ebenso. Haben beide Partner das gleiche Fett-Problem und ansonsten ein „gutes Haargefühl“, kann ein Unisex-Shampoo durchaus Sinn machen. Außer „Er“ steht nicht auf die oft blumigen Düfte von für Frauen konzipierten Produkten und bevorzugt eher männlich-herb duftende Shampoos. Gleiches gilt für das Problem „trockene Kopfhaut“. Doch jede Regel hat ihre Ausnahme. Denn bei Männern treten hormonell und genetisch bedingt manche Probleme häufiger und intensiver auf. Mit zunehmendem Alter lichtet sich bei einem Großteil der Männer das Haar. Mehr Männer als Frauen leiden unter fettiger Kopfhaut, genauso wie unter Schuppen. Gereizte und juckende Kopfhaut tritt auch bei Männern öfter auf, da Männerhaut mehr Talg bildet. Dieser bietet einen Nährboden für Pilze und Bakterien, was dann zu Juckreiz etc. führt. Solche Umstände legen also durchaus den Gedanken nahe, spezielle Männershampoos zu kreieren.

Evident ist dies beim typischen Männerproblem „Schuppen“. Dabei muss beachtet werden, ob es sich um ein „echtes“ Schuppenproblem handelt oder um die Symptome trockener Kopfhaut. Denn wer trockene Haut mit einem Anti-Schuppen-Präparat behandelt, verschlimmert das Problem nur noch. Normalerweise regeneriert sich die Kopfhaut etwa alle 28 Tage. Erneuert sich die Haut zu schnell (und das passiert bei immerhin fast 40 Prozent aller Männer), kommt es zu Verhornungen. Die Hautzellen verklumpen zu kleinen Plättchen, die sich ablösen. Die Folge: peinliche weiße Flocken im Haar und auf der Kleidung. Anti-Schuppen-Shampoos setzen beim Verursacher an, einem fettentziehenden Hefepilz und regulieren den Schuppenbildungs-Prozess. Oder sie enthalten Teer, der das Abstoßen von Hautzellen verlangsamt. Oder Salicylsäure, die die Kopfhaut aufweicht, so dass sich trockene Schuppen beim Waschen lösen. Einfach ausprobieren! Aber Achtung: Für Schuppen, die für Erkrankungen wie Schuppenflechte oder ein seborrhoisches Ekzem verantwortlich sind, gelten andere Regeln. Hier muss der Hautarzt konsultiert werden. Vorsicht ist auch geboten, wenn es sich „nur“ um trockene Kopfhaut handelt. Die Abschuppung von trockener Haut kann leicht mit Schuppen verwechselt werden. Die Hautschuppen sind bei trockener Haut aber in der Regel kleiner und auch nicht so ölig/fettig glänzend wie echte Schuppen.

Männern mit hyperaktiven Talgdrüsen am Kopf helfen milde Anti-Fett-Shampoos meist schnell und effektiv. Sie enthalten eine hohe Konzentration waschaktiver Substanzen, so genannter Tenside; rückfettende Inhaltsstoffe dagegen stecken bewusst nicht drin. Wenn der Schopf drahtig und störrisch ist und erst Tage nach dem Waschen anfängt, strähnig auszusehen, dann lautet das Problem „trockene Haare“. Das kann daran liegen, dass die Talgdrüsen am Kopf zu wenig Fett produzieren. Bei strapaziertem Haar – zum Beispiel durch Sonne oder Haarfärbung – verliert das Haar Feuchtigkeit, da die schützende Schuppenschicht der Haare aufgebrochen ist. Shampoo speziell für trockenes Haar enthält weniger austrocknende Schaumbilder und dafür mehr rückfettende Substanzen. Proteine füllen poröse Stellen auf und schützen vor weiterem Austrocknen.

>p>Männer mit feinem Haar befürchten oft, sie hätten weniger Haare als andere. Dabei ist der Haardurchmesser nur geringer. Schuld sind die Gene. Wie dick die einzelnen Haare aus dem Kopf wachsen, ist im Erbgut festgeschrieben. Abhilfe bringen spezielle Volumen-Shampoos, die jedes einzelne Haar mit Polymeren umhüllen und sie so künstlich verdicken. Feines Haar hat aber grundsätzlich nichts mit Haarausfall zu tun – einem anderen, vorwiegend männlichen Problem. Häufig sind hier wieder die Gene schuld. Aber auch Stress, bestimmte Medikamente oder eine Unterversorgung mit Nährstoffen können verantwortlich sein. Gegen genetisch bedingten Haarausfall ist leider noch kein zuverlässig wirkendes Kraut gewachsen (außer vielleicht Haartransplantationen). Man versucht jedoch, den Ausfall mit Shampoos, die die Durchblutung anregen und damit die Haarfollikel aktivieren, zu verlangsamen. Derzeit stark im Gespräch sind Koffein-Shampoos und -Tinkturen. Koffein setzt an einem Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron an, dem DHT, das die Haarfollikel schrumpfen lässt. Koffein soll nun die schädigende Wirkung des DHT auf die Follikel unterdrücken. Die tatsächliche Wirkung ist allerdings umstritten.

Alles in allem lässt sich resümieren: Grundsätzlich können Männer durchaus mit dem Shampoo, das die Partnerin benutzt, ihre Haarpracht pflegen – dem Haartyp entsprechend. Doch bei Problemen, die typisch männliche Ursachen haben, sind sie mit speziellen Männershampoos wirklich gut beraten.