Haarpflege MännerSpezial: Männerpflege

Brandheißes Hairstyling

Andere Länder - andere Sitten

Bildquelle: PantherMedia

Im Netz kursieren Videos, die sind wirklich der Burner. Sie zeigen Friseure, die die Haarpracht ihrer Kunden in Flammen setzen und dann blitzschnell durchkämmen. Feuer statt Schere? Eine spektakuläre Kuriosität oder tatsächlich eine Stylingtechnik, die ihre Berechtigung hat?

Die Idee, Haare abzubrennen, ist so neu nicht. Derartige Aktionen gehören in Brasilien zum Beispiel in die Rubrik Spliss-Entfernung für Fortgeschrittene. Allerdings ist die Technik weit weniger extrem als das, was auf den Videos zu sehen ist. Die Friseure lösen kleine Haarsträhnen heraus, zwirbeln diese fest zusammen und brennen dann die kurzen Haarenden, die aus der gezwirbelten Strähne herausstehen, mit einer Kerzenflamme ab. Macht Sinn bei langen Haaren mit splissigen Enden, weil durch das geschmolzene Keratin die geschädigten Haarenden zusammenbacken und versiegelt werden. In der Türkei, in Ägypten und Pakistan brennen manche Friseure mit in Alkohol getränkten Wattebäuschen die Haare an unzugänglichen Stellen wie z. B. hinter den Ohren oder in den Nasenöffnungen bis unmittelbar vor die Hautoberfläche ab. Sicherlich könnte man auch einen Spezialrasierer einsetzen, aber der Show-Effekt ist beim Abflämmen kaum zu überbieten. Die Methode stammt wahrscheinlich aus der Zeit, als es noch keine elektrischen Geräte gab.

Was fällt auf, wenn man sich die brandheißen Videos anschaut? Die Friseure und deren Kunden sind allesamt Männer und entstammen offensichtlich östlichen Kulturkreisen. Menschen dieses Typs haben in der Regel dichte, dicke, schwarze Haare, also eine Haarstruktur, die sich von der der Mitteleuropäer deutlich unterscheidet. Bei vielen Dunkelhaarigen neigen die Haare zum Kräuseln. Wer hier also mit einer modisch glatten Haarpracht glänzen möchte, muss sich viel Mühe geben. Und in diesem Bestreben scheint die Abflamm-Technik ihren Ursprung zu haben. Die Idee dahinter ist wohl, die Hornstruktur des Haares durch die Hitze der Flammen aufzuweichen und dann durch schnelles Kämmen die krausen Haare dauerhaft glatt zu ziehen, also quasi „umzuformen“. Da Horn langsam brennt bzw. eher glimmt, setzen die Friseure zusätzlich einen „Brandbeschleuniger“ ein, der vorher aufgesprüht wird. Ein brennender Haarschopf sieht extrem spektakulär aus und der Gestank, den das verkokelte Keratin verursacht, ist auch nicht ohne – aber angeblich sei durch diese Methode noch niemand zu Schaden gekommen. In den Ländern, in denen sie praktiziert wird, sind ja auch Fachleute am Werk. Was gleichzeitig bedeutet, dass nicht speziell Geschulte unbedingt die Finger vom Haarabbrennen lassen sollten. Zumal in Mitteleuropa die Haarstruktur der Menschen eine völlig andere ist. Dünne Haare würden stark geschädigt werden und es bestünde die Gefahr massiver Verbrennungen bei Kunde und Friseur. Wer also hierzulande in punkto Haare mit dem Feuer spielen möchte, sollte sich aufs brasilianische Spliss-Abbrennen beschränken und dies auch einem Fachmann überlassen.

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