Was ist neu daran, auf frische, unverarbeitete und vollwertige Lebensmittel zu setzen, wie es das Clean Eating propagiert? Nichts. Danach konsequent und dauerhaft zu leben schon eher. Über einen Trend, der als Ernährungskonzept und Regelwerk verstanden werden will.

Ein neuer Name für Vollwertkost?

Zu wissen, was man isst, ist immer gut. Aber vielleicht war es noch nie so relevant, wie heute. Denn ob geschmacksverstärkende und konservierende Extrakte und Aromen, „böse“ Fette, Industrie-Ei oder raffinierter Zucker – in unseren Lebensmitteln war wohl nie so viel drin, was unsere Gesundheit nicht fördert. Erst recht, umso mehr sie verarbeitet sind. Clean Eating beansprucht entsprechend, über die Qualität der Nahrung nachzudenken und auf industriell hochverarbeitete zu verzichten. Es umfasst mit progressiv-modernem Namen die gute, alte naturbelassene Vollwertkost mit leichteren, kalorienärmeren und vitaminreicheren Lebensmitteln. Diese entgiften den Körper, unterstützen die Nährstoffaufnahme und Zellerneuerung und entlasten und fördern damit die Arbeit unserer Haut.

Regional und saisonal soll sie sein

Ein „Clean Eater“ zu sein, bedeutet also in erster Linie, sich an bestimmte „Do’s and Don’ts“ zu halten: Indem man Ja zu frischen, vollwertigen und naturbelassenen Lebensmitteln sagt, die regional, saisonal und bio sind. Die Gerichte sollen so einfach wie möglich, mit so wenigen Zutaten wie möglich und damit am besten selbst zubereitet sein. Und wenn schon Convenience, dann nur mit wenig verwendeten Zutaten und hochwertigen Ersatzlebensmitteln für z. B. Zucker. Zugleich sagen Clean Eater kompromisslos Nein zu synthetischen Zusatzstoffen, Süßstoffen, Zucker, Weißmehl, Farb- und Aromastoffen, Geschmacksverstärkern, ungesunden Transfetten etc. und damit auch zu Fertig- und Diätgerichten.

Aber was sind gute “Cleaner”?

Es geht also wieder viel um eine naturbelassene Ernährung mit Identität, nach der wir uns heute so sehnen – auch weil sie für eine gesunde und reine Haut von innen sorgt. Lokale, regionale und Bio-Lebensmittel haben, so heisst es, zum Beispiel eine um 18 bis 69 Prozent höhere Konzentration an Antioxidantien als weitgereiste, verarbeitete Lebensmittel. Durch die eigene Zubereitung können sie zugleich schonender gekocht, gedünstet oder sogar nur gedämpft werden, sodass zum Beispiel Folsäure oder Vitamin C um bis 80 Prozent erhalten werden können. Manche basische Lebensmittel wie Rote Rüben, Aprikosen, Fenchel, Spinat, Sellerie, Feigen oder Sojaprodukte gelten zudem per se als gute „Cleaner“ für Darm & Co. und entlasten damit die Entgiftung durch die Haut. Clean-Eating-Experten raten insgesamt zu bis zu sechs kleineren Mahlzeiten am Tag. Hinzu kommen mindestens drei Liter Wasser täglich, viel Bewegung und ausreichend Schlaf, um die Regenerations- und Erneuerungsprozesse der Haut, Haare, Muskeln und Knochen anzustoßen.

Nach der Clean-Eating-Methode zu leben, bedeutet also, vieles so zu kaufen und zu essen sowie im Alltag mit seinem Körper umzugehen, wie es schon Generationen vor uns wussten. Da kann im Grunde auch die seit 20 Jahren währende Clean-Eating-Gemeinde in den USA nicht mehr so viel Neues erfinden. Oder die etlichen hiesigen Websites, Blogs und Insta-Welten, die es mittlerweile zum Thema gibt. Vielmehr geht es heute um eine neue Bedeutung und Begeisterung für diese Ernährungs- und Lebensweise, den großen Erfahrungsaustausch und die, so kann man vielleicht schon vermuten, ersten Clean-Eating-Restaurants, die bald eröffnen werden. In jedem Fall tut auch bereits „ein bisschen Clean Eating“ jedem gut, da sind sich auch Experten einig.