Angebliche Wundercremes, Masken oder andere Kosmetika mit exotischen Inhaltsstoffen und neuartigen Texturen aus Korea erobern seit einiger Zeit den europäischen Markt. Sind sie tatsächlich so innovativ und effektiv, wie sie (und viele Beauty-Blogger) versprechen und damit ihr Geld wert?

Woher kommt der Korea-Hype?

Neuartige Produkte, die aus fernen Ländern stammen, sind per se immer interessant. Und Produkte, die in unserer Social-Media-dominierten Welt von Prominenten verwendet und angepriesen werden, sind es sowieso. Speziell Asien kann darüber hinaus dank Traditioneller Chinesischer Medizin, Ayurveda, Yoga usw. den reizvollen Hauch des Exotischen, Naturverbundenen und Esoterischen für sich verbuchen. Und weil der asiatischen Kultur im Allgemeinen von Europäern eine höhere Pflegeaffinität zugeschrieben wird, ist man geneigt, der Wirkung der dort verwendeten Inhaltsstoffe zu vertrauen. Also her mit Schneckenschleim, Plazenta oder Eselsmilch und möglichst innovativen aufwändigen Pflegeritualen!

Auf den in Korea gestarteten Tuchmasken-Zug sind längst die meisten europäischen Kosmetikhersteller aufgesprungen. Die teilweise recht gruselig aussehenden Gesichtsmasken aus Vlies enthalten Wirkstoffe, die den Teint frischer, entspannter, faltenfreier und, und, und … machen sollen. Aber schon hat Korea nachgezogen. Von dort gibt es jetzt spezielle Lippenpflege-Masken zum Auflegen. Den Korea-Hype begründet haben 2011 die sehr beliebten BB-Cremes, die bald überall kopiert und markenspezifisch angepasst wurden. Seither hat die „K-Beauty“ in Europa einen gewissen Vorbild-Status erlangt. Ein Grund dafür dürfte auch der weltweite Trend zur Naturkosmetik sein. Denn koreanische Frauen gehörten zu den ersten, die sich von Kosmetika mit künstlich erzeugten Inhaltsstoffen abwandten und vielmehr auf natürliche und pflanzliche Inhaltsstoffe wie Tee-Extrakte, Ginseng, Algen (oder Schneckenschleim) vertrauten. Koreanische Kosmetik basiert auf einem Mix aus Hightech-Forschung und traditionellem Heilwissen – einem international zukunftsweisenden Trend.

Koreanische Schönheitsphilosophie

Koreanerinnen nehmen sich viel Zeit für ihre Beauty-Routinen (die bis zu zehn Schritte und mehr umfassen können) und konsumieren entsprechend viele Produkte. Sie sind geradezu besessen von der Idee der idealen Haut. Die koreanische Schönheitsphilosophie konzentriert sich auf die Verbesserung der Haut von innen heraus. Koreanerinnen glauben nicht daran, dass man einen strahlenden, ebenmäßigen Teint über Nacht bekommt, indem nur die äußeren Hautschichten behandelt werden. Stattdessen wird bei der koreanischen Schönheitspflege viel Wert auf die Aufrechterhaltung einer gesunden, gut hydrierten und wohlgenährten Hautumgebung geachtet – für Ergebnisse, die ein Leben lang halten. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage nach Produkten stehen Forschung und Produktentwicklungen bei koreanischen Kosmetikfirmen an oberster Stelle. Deshalb mag dort die Innovationsdichte sehr groß sein. Was aber nicht heißt, dass europäische Beauty-Hersteller nicht ebenso wirksame und innovative Produkte entwickeln. Allerdings sagt man in der Branche, dass koreanische Firmen im Vergleich zum Westen um viele Jahre voraus sind. Die große Konkurrenzsituation unter den koreanischen Herstellern wirkt sich auch auf das Preisgefüge aus. Deshalb liegen die Produktpreise im erschwinglichen Bereich, was man von europäischen Produkten nicht immer behaupten kann. Das Preis-Leistungs-Argument ist daher gewichtig und spricht in der Regel für koreanische Kosmetik. Außerdem sind Tierversuche in Korea grundsätzlich verboten und viele Marken arbeiten sogar vegan.

Fazit

Koreanische Kosmetik muss nicht besser oder wirkungsvoller sein als westliche. Doch als Trendsetter und Vorreiter spielt sie eine große Rolle. Ob eine Europäerin sich einem vergleichbar aufwändigen Schönheitsritual unterwerfen möchte, muss sie selbst entscheiden. Für das Verhältnis von Aufwand und Ertrag gibt es sowieso kein allgemeingültiges Messinstrument. Und schließlich kann es auch unter den verschiedenen Rassen grundsätzliche Unterschiede in der Hautbeschaffenheit geben. Fazit: Koreanische Kosmetik ist innovativ und meist günstig, aber die europäische Kosmetikindustrie braucht sich bestimmt nicht zu verstecken. Der Beweis: Viele westliche Marken haben ihrerseits in Asien starke Standbeine etablieren können.