Jugendliches Aussehen hat aktive Feinde und die heißen Stadtluft und blaues Licht. Koreanerinnen sprechen nicht mehr von Anti-Aging-Pflege, sondern von „Anti-Polluaging“.

In Asien, wo reine Haut als absolutes Schönheitsideal gilt und die Luftverschmutzung besonders in den Städten bereits dramatische Ausmaße angenommen hat, sind Anti-Pollution Kosmetika längst ein Trend. Spezielle Masken, Moisturizer, Cremes und Wässerchen sollen die Haut schützen vor dem Dreck der Urbanisation. Aber auch der ständige Kontakt mit Tablets, Smartphones usw., die permanent bläuliches Licht verströmen, soll die Hautalterung vorantreiben. Dieses Phänomen nennt sich Digital Aging. Können Kosmetika tatsächlich vor Feinstaub und HEV-Licht schützen?

Dass Feinstaub, Smog, Rauch und Abgase eine Zumutung für unsere äußere Hülle sind, wurde durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Dreckige Luft lässt Menschen ganz schön alt aussehen. Denn an den Schmutzpartikeln haften organische Substanzen und Schwermetalle, die die Haut irritieren, entzünden und bis in tiefe Hautschichten vordringen, wo sie Alterungsprozesse befeuern. Sie bringen Kollagen- und Elastin-Moleküle zum Brechen und sorgen für die Entstehung freier Radikale, deren aggressive Existenz auch das Ziel von Anti-Aging-Produkten ist. Noch dazu produziert die Haut in verschmutzter Luft mehr Talg; dafür nimmt der Gehalt an Vitamin E und Squalan ab, die oxidativen Stress fernhalten könnten; der pH-Wert sinkt weiter ins Saure. Deshalb ist die tägliche gründliche Reinigung oberstes Gebot. Aber lässt sich mit Kosmetika vorbeugen oder sogar noch etwas retten?

Tagespflege mit UV-Filter gegen schädliches Sonnenlicht hat sich bereits als wirksam durchgesetzt. Jetzt entwickeln Firmen immer neue Anti-Pollution-Wirkstoffe, die entweder eine physikalische Barriere zwischen Dreck und Haut aufbauen, so dass Schmutz erst gar nicht eng mit der Haut in Berührung kommt. Oder die Stoffe enthalten eine Art Metallfänger, Moleküle, die Schwermetalle binden und einlagern sollen.

Zu den „Schutzschildern“ für die Haut zählt z. B. Ectoin, das die Zellmembran stabilisiert. Dieser Wirkstoff wird von Bakterien gebildet, die sich vor extremen Umweltbedingungen wie hohen Temperaturen und starker UV-Strahlung schützen müssen. Als weitere schützende Wirkstoffe gelten Fette und Öle wie Reis-, Kokosnuss-, Argan- und Abyssinianöl, Polysaccharide und Hyaluronsäure.

Tiefer unter die Haut gehen Stoffe, die gezielt an sog. Ah-Rezeptoren in den Hautzellen andocken sollen und damit verhindern, dass sich Umweltschadstoffe dort ansiedeln, ihnen also quasi den Platz wegnehmen. Bewährt haben sich auch Antioxidantien, die direkt an der Haut wirken und deren Konzentration in Anti-Pollution-Präparaten recht hoch ist. Das Non-Plus-Ultra im Kampf gegen Schadstoffe sind sog. Detox-Produkte, deren Inhaltsstoffe den Schmutz aufsaugen und die Haut damit porentief reinigen. Zu ihnen zählt z. B. Aktivkohle oder Heilerde. Überhaupt ist, wie erwähnt, eine gründliche Reinigung unverzichtbar. Doch sollte man damit nicht übertreiben, um die Haut nicht unnötig zu reizen. Auch wenn manche Hersteller nicht explizit „Anti-Pollution“ auf die Verpackung schreiben, enthalten viele Produkte doch entsprechende Wirkstoffe. Ein Blick auf die Angaben auf der Verpackung lohnt sich. Es sind auch schon Produkte im Handel, die sogar bei bereits durch Umwelteinflüsse geschädigtem Hautbild regenerierend wirken sollen.

Und noch kurz zum blauen Licht, das sowohl ein Teil des Sonnenlichts, aber auch des Bildschirmlichts ist: Die Forschungsabteilung von Nivea hat die Wirkung von blauem Licht untersucht und dabei gute wie schlechte Seiten gefunden. Wie meist entscheidet hier die Dosis. Denn wir brauchen Licht, um morgens aus dem Bett zu kommen. Es beeinflusst unseren Hormonhaushalt, unsere innere Uhr und unser psychisches Wohlbefinden. Insbesondere blaues Licht ist verantwortlich dafür, dass ausreichende Mengen des Glückshormons Serotonin ausgeschüttet werden – und wir uns fit, wohl und wach fühlen. Doch zu viel blaues Licht kann tatsächlich negative Folgen haben – für den Schlaf, die Augen und die Haut. Allerdings soll die Blaulichtmenge, die von Smartphones, Tablets und Laptops ausgeht, zu gering sein, um wirklich direkt Hautschäden zu verursachen. Dass blaue Wellenlängen länger wachhalten und somit das Einschlafen verlangsamen, ist aber durchaus ein Argument. Viele Smartphones sind deshalb inzwischen mit einem Nachtmodus ausgestattet.