Längst haben die digitalen Möglichkeiten auch die Spa-Welten erfasst. Doch wie? Als Digital Detox im Digital Spa? Ja, sagen die Anbieter in Hotels und Wellnesstempeln. Denn es geht dabei allein ums Abschalten in neuen Sphären.

Die Treppe in das Hoteluntergeschoss nehmen und sich dann auf einer Wolke wähnen – zugegeben, die passende Stimmung mag sich vielleicht nicht auf Anhieb einstellen. Aber das ändert sich, sobald man sich in den Cloud-9-Raum begibt, sich auf der leuchtenden Liegeschale zurücklehnt und das farbige Lichtprogramm mit mehrstimmigen, atmosphärischen Klängen und Pendelbewegungen auf sich wirken lässt. Die Cloud 9, eine multisensorische Liege in Form einer goldenen Wolke, erzeugt wie in einem Film Schwingungen und Farben nach Drehbuch. Darüber spannt sich eine zweite goldene Wolkenform und macht das Kokon-Feeling perfekt. Hotels wie das Travel Charme Bergresort Werfenweng im Salzburger Land zum Beispiel laden eine halbe Stunde ihre Wellnessgäste zu dieser Cloud 9-Session ganz ohne nass oder massiert zu werden ein. Ein Ruheraum mit digitalem Erlebniseffekt quasi.

Kunst zum Entspannen

Entwickelt hat diese und andere Entspannungsliegen bereits vor rund 15 Jahren der Wiener Licht- und Klangkünstler Sha alias Andreas Rodler. Ein Klangraum in einem Kunsthaus hatte ihn dazu inspiriert. Dort waren Sinneseindrücke aus dem Mutterleib „dargestellt“, und die Kinder – nicht die Erwachsenen – waren es, die sich schnell und ohne Scheu auf den Boden legten, um die Klänge und Vibrationen zu spüren. Um dieses Gefühl ebenso Erwachsenen zugänglicher zu machen, entwickelte Sha mit dem Institut für Wahrnehmungsforschung in Wien auch die AlphaSphere – ein Liegeobjekt mit einer warmen Oberfläche, das Vibrationen erzeugt, dazu auch „Klangwolken“ und passendes Licht, das für die entscheidende Geborgenheit sorgt. Wer auf der Liege liegt, soll sich vollkommen entspannen können, tief durchatmen und schließlich Stress abbauen. In diesem Sinne hat die Liege als Entspannungselement bereits auch in einigen Wellnessbereichen Einzug gehalten, genauso aber auch als Designobjekt in privaten Wohnzimmern oder als ausgestelltes Kunstwerk in öffentlichen Museen.

Einmal Shanghai und zurück

Multisensensorisch in ferne Welten reisen – das kann also Kunst, aber auch viel Entspannung bedeuten und hat in jedem Fall nichts mit digitaler Selbstoptimierungs-Zählerei zu tun. Manche Hotels wie Lindner nutzen diese Effekte auch für die Vorab-Inspiration mit der VR-Brille (Virtual Reaility) – also für einen digitalen Rundgang durch das gesamte Spa und seinen Möglichkeiten. Und manche Experten sind sich bereits sicher, dass eine tiefenentspannende Einstimmung per VR-Brille tatsächlich unterstützend dabei wirkt, Stress und Hektik hinter sich zu lassen und eine Spa-Behandlung schneller und nachhaltiger zu genießen. Gegenwärtig arbeiten Experten in der Wellnessbranche daran, ganze Spa-Bereiche mit einer virtuellen Realität zu bespielen. Möglich könnte es damit künftig sein, sich während der Lomi-Lomi-Massage in Hawaii zu wähnen oder beim Shaitsu in einem Tempel. Das alles mündend in den Trend, künftig komplette Wellnessreisen virtuell am Strand von Phuket mit Yoga-Sessions und Thai Chi in einem Park Shanghai erleben zu können. Die Wirkung wäre ganzheitlich – stressvorsorgend am Morgen, entspannend in der Meetingpause oder meditativ am Abend. Und das nicht nur im Spa-Bereich, sondern auch in der Tagungspause oder am Flughafen. Digital Spa ohne Zeit und Raum – erst recht nach Corona haben sich ganz neue Entspannungsspielwiesen aufgetan.