Wer in den sogenannten Blauen Zonen lebt, lebt besonders gesund und lange, so das Ergebnis verschiedener Studien. Also umziehen? Vielleicht! Aber es lohnt sich auch zu “prüfen”, wie blau die eigene Zone ist.

Ogliastra auf Sardinien, die griechische Insel Ikaria, Okinawa in Japan, die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica und Loma Lina in Kalifornien – diese fünf Regionen werden derzeit als Blaue Zonen bezeichnet. Die Menschen, die hier leben, sind besonders gesund und werden überdurchschnittlich alt. Die Regionen weisen weltweit die höchste Dichte an Hundertjährigen auf. Allein auf Ikaria wird jeder Dritte über 90 Jahre alt, in Ogliastra weist eine Großzahl der Einwohner ein gesundes Herz auf. Und ein 60-Jähriger auf der Nicoya-Halbinsel soll im Vergleich zu einem US-Amerikaner eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit haben, mehr als 90 Jahre alt zu werden. Außerdem soll auf der Halbinsel in ganz Costa Rica die Krebsrate am niedrigsten sein.

Lage, Lage, Lage

Eine auffällig hohe Gesundheit unter den Bewohnern in den Blauen Zonen also. Warum? Ein Grund wird in der Lage vermutet: Alle Blauen Zonen befinden sich in einem engen Korridor eines fast gleichen Breitengrades auf der Nordhalbkugel – in Europa im Mittelmeerraum. Und alle weisen ein mildes Klima auf und befinden sich am bzw. nahe des Meeres. Manche Wissenschaftler merken auch die Nähe der fünf Regionen zu Vulkanen bzw. hoch geologisch aktiven Zonen an sowie die hohe Energie, die hier durch die Infrarotstrahlung entsteht. Die Menschen leben und agieren hier viel draußen bei milden Temperaturen und viel Sonne, bei einem, auch damit verbundenen, höheren Angebot an frischem, regionalen und saisonalen Obst, Gemüse und fettarmen, Omega-3-reichen Lebensmitteln wie Fisch.

Blaue Zonen ohne weißem Zucker und rotem Fleisch

Die Ernährung der Menschen in den Blauen Zonen wird bisher als einer der zentralsten Gründe für die hohe Gesundheit der Bewohner und lange Lebenserwartung ausgemacht. Das hat vor allem auch der Autor Dan Buettner 2005 für einen Forschungsbeitrag im Magazin “National Geographic” im Jahr 2005 herausgestellt. Auffällig ist dabei, dass der Speiseplan in den fünf Regionen sehr vegetarisch geprägt ist, vor allem im kalifornischen Loma Lina, wo viele Adventisten leben, die sich pflanzlich ernähren. Auf den Teller kommen in den Blauen Zonen neben viel Obst auch zahlreiche Hülsenfrüchte, Pilze, Mais, Süßkartoffeln, Nüsse, Samen, Salate und Kräuter. Kaum findet sich dagegen raffinierter Zucker, Weizen und rotes Fleisch bzw. insgesamt wenig Fleisch, dafür viel Fisch. Insgesamt sind die Lebensmittel gut und wenig verarbeitet, und sie werden einfach zubereitet.

Einfach bewegen, gesund in der Community

Mit der Ernährung ist auch eine ausreichende Aktivität und Bewegung bis ins hohe Alter verbunden. Nicht primär in Form von Fitness und Hochleistungssport, vielmehr als natürliche, alltägliche Bewegungen wie Gehen, Laufen, Garten- und Hausarbeiten oder eben dem regelmäßigen Power-Nap – dem Mittagsschlaf. In entspannter Kombination sorgen all diese Elemente für einen entspannten Ausgleich aus Arbeit und Freizeit und damit für wenig Stressempfinden.

Schließlich kommen soziale Komponenten hinzu – mit Sinn und Ziel, also schlichtweg vielen Gründen, morgens aufzustehen und mit positiver Energie den Tag zu erleben und gestalten. Am gesündesten offenbar in Gemeinschaft – in der Familie, die an erster Stelle steht, und mit den Menschen vor Ort, sozial engagiert oder einfach miteinander Spaß habend. Soziale Unterstützung, Zugehörigkeit, Gemeinsamkeiten in Gemeinschaft.

Lifestyle Blue Zone

Ernährung, Gemeinschaft, Aktivität und Bewegung – die Blauen Zonen stehen damit auch für eine Lebenseinstellung, die das Leben im wahrsten Sinne des Wortes auf eine lange Dauer einstellt. Und was Menschen lange leben lässt, zeigt zugleich, was Menschen früher sterben lässt: eine fett- und zuckerreiche, nährstoffarme Ernährung, kaum Bewegung, viel Stress und empfundene Einsamkeit. Das ist nichts, was wir so noch nicht wussten, aber in der Summe eine starke Kombination und in ihren Teilen auch in anderen Gegenden der Erde sinnvoll adaptierbar. “Blue Zone” gilt inzwischen auch als Gesundheitstrend und wird gerne mit allem Marketing bei Lebensmittelherstellern und der Gesundheitsindustrie propagiert. Ganz nach dem Motto: So alt, wo Du lebst, aber vor allem auch wie Du lebst – im Idealfall auf natürliche, selbstverständliche Weise, was für viele immer noch am schwierigsten ist.