Im Juni beschloss das norwegische Parlament, dass ab Juli 2022 retuschierte Werbebilder mit einem speziellen Logo gekennzeichnet werden müssen. Neben klassischer Werbung in Magazinen oder auf Plakaten sind auch Influencer, die ihre Werbebilder mit Filtern bearbeiten, von der neuen Regelung betroffen. Dr. med. Joachim Graf von Finckenstein, plastischer und ästhetischer Chirurg und Leiter der Praxisklinik in den Seearkaden Starnberg, bemerkt in seiner Praxis den besorgniserregenden Trend, dass die Schönheitsideale vieler Patienten immer stärker durch Social Media beeinflusst werden, und begrüßt deshalb die norwegischen Pläne:

„Norwegens Plan zur Kennzeichnungspflicht retuschierter Werbebilder ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Insbesondere Influencer lösen mit ihren bearbeiteten Bildern bei ihren Followern häufig unrealistische Schönheitsideale aus. Ich habe inzwischen sehr oft Patienten in meiner Praxis, die mir ein mit Filtern bearbeitetes Selfie als Idealbild von sich vorzeigen. Mit ihrem tatsächlichen Aussehen sind sie oftmals extrem unzufrieden, obwohl sie objektiv gesehen keine Makel aufweisen. Stattdessen wünschen sie sich große Augen, hohe Wangenknochen und kleine Stupsnasen. Durch den ständigen Vergleich mit retuschierten Bildern entwickeln inzwischen immer mehr junge Frauen eine sogenannte Body Dismorphic Disorder: Die Betroffenen sind permanent auf der Suche nach noch so kleinen Schönheitsmakeln, die sie dann oftmals mithilfe von plastischer und ästhetischer Chirurgie beheben lassen wollen. Diese Patientinnen sind definitiv keine Fälle für einen Chirurgen, sondern für einen Psychologen. Wir müssen endlich ein Bewusstsein dafür entwickeln, welchen Schaden unrealistische Werbebilder in den Köpfen junger Menschen anrichten können, und wieder lernen, unsere Körper so zu akzeptieren, wie sie sind. Chirurgische Eingriffe sollten nicht dazu dienen, unrealistischen Schönheitsidealen nachzueifern.“

 

 

Dr. med Joachim Graf von Finckenstein/ ©Daniel Schvarcz