Von wegen: die stinkt. Schafwolle mag im Rohzustand nicht jedermanns Sache zu sein. Der Geruch nach Bock ist nicht zu verleugnen. Aber wenn das Schafkleid erst einmal schonend gewaschen wurde, profitieren wir schon seit Generationen von der wohltuenden Wirkung des kuscheligen Vlies. Der moderne Mensch hat diese Erfahrungen allerdings, wie so vieles andere, leider vergessen. Es lohnt sich also, einen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung mit Schafwolle zu werfen.

Ein Schafwollbad ist hautverträglich und entzündungshemmend

Besonders bekannt wurde das sogenannte Ultner Schafwollbad. Richtig gelesen: Der gestresste Städter legt sich dieser Tage gerne in einen Holzzuber, randvoll gefüllt mit hochalpiner Schafwolle. Diese Südtiroler Behandlung mitten aus der Natur ist weithin bekannt für ihre gut hautverträgliche und entzündungshemmende Wirkung, die nicht nur pflegt, sondern auch ganz gezielt die Wundheilung unterstützen soll. Selbst sehr empfindliche Hauttypen sollen von der Behandlung profitieren. Schafwolle hält nicht nur den Körper warm, sie wirkt auch temperaturausgleichend, wärmt im Winter, kühlt im Sommer. Zudem kann sie viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen.

Am hochwertigsten ist die Schafwolle dafür nach dem Sommer

Nach dem Sommer auf den Almen ist die Wolle der Ultner Bergschafe besonders hochwertig, heißt es. Um das hautberuhigende Lanolin zu erhalten, wird die Schafwolle schonend per Hand gewaschen. Und dann wird der Körper in das kuschelige Schafwollvlies eingehüllt, auf das verschiedene wild wachsende Alpenkräuter gestreut wurden. Zusätzlich wird man mit Wollebäuschchen sanft massiert. Ein Räucherritual mit heimischen Bergkräutern begleitet die Behandlung. Die reine Wolle umgebe den Körper mit natürlicher Wärme und lasse ein tiefes Gefühl der Entspannung und Geborgenheit entstehen.

Es funktioniert auch mit Schafwollwickel

Man sagt, wer die Erfahrung einmal gemacht hat, der kommt immer wieder. Wer nicht gleich den Weg nach Südtirol antreten will, der kann sich auch einfach Wollwickel, Nierengurte, Decken oder Bandagen aus der sogenannten Heilwolle für zuhause bestellen. Heidi Schneider und Hannelore Rundell bieten unter „Wollke Sieben“ Interessierten naturbelassene wollweiße Wickel an, die um den Körper gebunden werden. Schneider hält selbst Schafe und weiß um die heilsame Wirkung dieses Naturprodukts. Dem Lanolin, auch Wollfett genannt, wird ebenfalls nachgesagt, regenerierend zu wirken. Zudem soll es die Durchblutung fördern. Lanolin ist ein Sekret, das von den Talgdrüsen der Schafe beim Wollwachstum erzeugt wird. Zudem macht es die Haut seidenweich. „Wer einmal bei der Schafschur dabei war und die frische Wolle den ganzen Tag in den Händen hatte, weiß, wie gut das der Haut tut“, sagt sie.

Die Streifen werden dann entweder um den gesamten Körper oder nur um einen Teil gewickelt, etwa um den verspannten Nacken. Dabei sei zu beachten, dass eine Wicklung „rechtsherum” anregende, die Wicklung „linksherum” entspannende Wirkung habe.

Die Körpertemperatur steige bei dieser Behandlung um einige Grade. Allerdings isoliere die Wolle sehr gut, so dass jegliche Feuchte sofort weitergeleitet werde und verdampfe. Dadurch entstehe ein “trockene Sauna-Effekt”. „Mir helfen die Wickel besonders bei Verspannungen im oberen Rücken und Nacken“, sagt Heidi Schneider. Aber auch bei Erschöpfung oder innerer Unruhe werde die Wolle seit Generationen angewendet. „Man fühlt sich einfach nur wohl“, so Schneider.

Wer sich mit den Wollwickeln, je nach Gemütslage, linksherum oder rechtsherum, eingewickelt hat, sollte sich einen gemütlichen Ruheplatz suchen, um circa eine halbe Stunde zu entspannen. Teilwickel könnten auch über Nacht getragen werden, Ganzkörperwickel sollten nach besagter halber Stunde entfernt werden. Ganz wichtig: Die Wolle sollte nur einmal am Tag angewendet werden.

Die Unternehmerinnen aus Franken haben nach eigenen Aussagen viele Kunden, die schon seit langem auf ihre Wickel schwören. „Ich kann niemandem sagen, dass Wolle Schmerzen nimmt, aber viele unserer Kunden berichten davon“, so Schneider.

Viele andere Anbieter von Schafwollprodukten finden sich bei der Suche im Netz. Einen profunden wissenschaftlichen Nachweis über die heilsame Wirkung von Schafwolle fehlt bisher, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch. Schäfer muss man nicht mehr von der Wirkung der Wolle ihrer Schützlinge überzeugen. Sie stecken sich bei Ohrenschmerzen einfach ein kleines Stück Wolle ins Ohr.