Musik hilft uns, zu entspannen. Sie bringt uns in die richtige Stimmung, um leichter einzuschlafen oder beschwingt zu kochen. Das ist alles nicht so neu. Jetzt können wir aber auch darauf hoffen, dass uns Musik hilft, bewusster zu essen. Und wer bewusst ist, isst auch weniger. Bringt uns der richtige Soundtrack also zur Wunschfigur?

Stille beim Essen ist kontraproduktiv

Das zumindest legt eine dänische Studie nahe, die jetzt veröffentlicht wurde. Demnach beeinflusst Musik tatsächlich unser Essverhalten. Entscheidend ist dabei noch nicht einmal, welche Musik wir hören, sondern vielmehr, dass wir überhaupt Musik hören. Stille beim Essen ist offenbar die schlechteste Wahl.

In der Studie verkosteten 300 Probanden, Männer und Frauen, ein Stück Schokolade. Man sagte ihnen, sie sollten den Geschmack der Schokolade bewerten. Den Forschern wollten allerdings ausschließlich herausfinden, wie lange die Tester benötigten, um die Schokolade zu essen. Die Probanden hörten dabei, unterteilt in drei Gruppen, unterschiedliche Musikstücke. Die Kontrollgruppe hörte keine Musik.

Das Ergebnis war sehr eindeutig: Am schnellsten aßen die Menschen, die keine Musik hörten. Besonders bewusst aßen diejenigen, die das langsame legato-Stück hörten. Sie waren etwa zehn Prozent langsamer als die anderen Testpersonen, die Musikstücke mit bis zu 180 Schlägen pro Minute hörten.

Zudem variierten die Forscher bei den Tönen. Sie waren entweder verbunden (legato) oder abgehackt, also staccato. Mit Legato-Musikstücken wurden die besten Ergebnisse erzielt, die Probanden aßen also besonders langsam.

Musik soll zu einem gesünderen Essverhalten beitragen

Was das bedeutet? „Musik könnte eingesetzt werden, um das Esstempo zu beeinflussen und zu einem gesünderen Essverhalten beizutragen“, sagt Signe Lund Mathiesen von der Universität Aarhus, die Leiterin der Studie. Jetzt wollen die Forscher diese Ergebnisse als Grundlage für weitere Untersuchungen nutzen. Dabei wollen sie die Nahrungsaufnahme beim normalen Frühstück oder Mittagessen auswerten und den Einfluss der Portionsgrößen berücksichtigen. Die Hoffnung für Figurbewusste: Durch langsameren Verzehr mit Hilfe der Musik könnte es gelingen, schon mit kleineren Portionen satt zu werden.

Musik könnte sich also als ein Baustein erweisen, der hilft, unsere Gefühlswelt unbewusst zu ordnen. Denn nicht selten essen wir, weil wir gestresst sind, uns langweilig ist oder aus anderen Gründen, die nichts mit Hunger zu tun haben. Soll heißen, es geht in diesen Situationen eher um ein Gefühl als um ein tatsächliches Bedürfnis. Wenn es nun aber externe Faktoren gibt, mit denen wir unsere Bedürfnisse beeinflussen können, wäre das zumindest einen Versuch wert.

Ob Musik auch hilft, um abends nicht reflexartig zur Chipstüte zu greifen, sobald der entspannte Teil auf der Couch eingeläutet wird, das sagt uns die Studie allerdings nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen.