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Die Kosmetikbranche gehört zu den Ressourcenfressern unter den Konsumgütern. Verpackungen aus Plastik, hohe Wassergehalte in den Rezepturen und lange Transportwege verschlechtern die Ökobilanz so mancher Produkte, die tagtäglich im Badezimmer landen. Wer seinen Verbrauch reduzieren möchte, findet inzwischen eine steigende Zahl an Alternativen, die sich in Formulierung, Verpackung und Herkunft unterscheiden.

Der ökologische Fußabdruck konventioneller Kosmetik

Jährlich produziert die Kosmetikindustrie weltweit mehr als 120 Milliarden Verpackungseinheiten, die meisten davon aus Kunststoff. Lediglich ein kleiner Teil gelangt ins Recycling, da Mischmaterialien, Pumpspender und beschichtete Etiketten dies verhindern. Klassische Flüssigshampoos bestehen zu 70 bis 80 Prozent aus Wasser, das mittransportiert, gekühlt oder erhitzt und in Plastikflaschen abgefüllt werden muss. Diese Mischung führt zu einem Mehr an Gewicht, zu einem Mehr an Volumen und bringt somit auch einen Mehr an Emissionen entlang der Logistik mit sich.

Ein Umstieg auf wasserfreie Formulierungen setzt genau hier an. Ein festes Shampoo z. B. enthält die Waschstoffe in konzentrierter Form und benötigt keine Kunststoffflasche mehr. Je nach Rezeptur ersetzt ein einziges Stück zwei bis drei herkömmliche Flaschen zu 250 Milliliter, wodurch sich das Verpackungsvolumen, das Transportvolumen und der Wasseranteil im Endprodukt merklich verringern. Ähnliche Effekte zeigen sich bei fester Duschseife, festem Conditioner und Zahnputztabletten.

Zertifikate und Standards als Orientierung

Wer nachhaltige Kosmetik einkaufen möchte, sieht sich einer Vielzahl an Siegeln gegenüber, die unterschiedliche Kriterien abdecken. Die wichtigsten im deutschsprachigen Raum sind COSMOS Organic, NATRUE, der Blaue Engel und das EU Ecolabel. COSMOS Organic verlangt von seinen Mitgliedern, dass die von ihnen verwendeten Rohstoffe einen gewissen Mindestanteil an biologisch erzeugten Rohstoffen aufweisen. Bestimmte Konservierungsstoffe und Duftstoffe sind ausgeschlossen. Bei NATRUE gibt es drei verschiedene Qualitätsstufen von Naturkosmetik bis hin zu zertifizierter Biokosmetik mit klaren Vorgaben zu den zulässigen Verarbeitungsverfahren. Der Blaue Engel für Kosmetikprodukte bewertet unter anderem die biologische Abbaubarkeit der Inhaltsstoffe, die Verpackungsgestaltung und den Verzicht auf bestimmte Mikroplastikpartikel. Das EU Ecolabel prüft den gesamten Lebensweg eines Produktes, also Rohstoffgewinnung, Herstellungsprozess und Entsorgungsweg. Keines der Siegel deckt all die Facetten von Nachhaltigkeit ab, aber die Kombination aus Inhaltsstoff- und Verpackungspreisen schafft eine belastbare Orientierung.

Über Tierversuchsfreiheit informieren etwa Programme wie Leaping Bunny, dabei lohnt sich auch ein Blick auf Zertifikate für Palmöl aus verantwortungsvollem Anbau (z.B. RSPO). Der Verweis auf einzelne Inhaltsstoffe, die nicht unabhängig geprüft sind und häufig mit dem Label Clean Beauty angepriesen werden, ist dagegen kein standardisiertes Kriterium und sollte skeptisch betrachtet werden.

Konkrete Schritte für ein nachhaltigeren Badezimmer

Der Umstieg auf eine nachhaltigere Routine muss nicht von heute auf morgen geschehen. Es reicht, das Badezimmer Schritt für Schritt umzustellen, ohne dass man gleich alle Produkte wegwerfen muss. Bewährt hat sich dieser Ansatz in der Praxis:

  • Produkte mit hohem Wasseranteil durch feste oder konzentrierte Alternativen ersetzen, z.B. Shampoo, Duschgel und Zahnpasta.
  • Verpackungen auf Monomaterialien prüfen, z. B. reine Aluminium- oder Glasbehälter, die lassen sich besser recyclen als Verbundstoffe aus Kunststoff. Nachfüllsysteme nutzen (wo vorhanden) und leere Behälter zusätzlich mehrfach verwenden.
  • Mikroplastik (Peeling-Körperpflege, Zahnpasten, Make-up) meiden, zu finden in der INCI etwa unter Polyethylene, Acrylates Copolymer, Nylon-12.
  • Produkte mit kurzer Lieferkette bevorzugen, noch besser ist es, wenn sie innerhalb Europas hergestellt sind, um Transportemissionen zu vermeiden.
  • Auf realistische Verbrauchsmengen achten, eine haselnussgroße Menge Shampoo reicht für die meisten Haarlängen.

Das klingt alles für sich genommen überschaubar, summiert sich aber über die Jahre zu einer messbaren Reduzierung von Verpackungsmüll und Wasserverbrauch. Ein Vier-Personen-Haushalt, der Flüssigshampoo über einen längeren Zeitraum vollständig durch feste Varianten ersetzt, spart nach Herstellerangaben zwischen 12 und 20 Kunststoffflaschen pro Jahr. Duschgel und Handseife liegen im Einsparungspotenzial in ähnlicher Größenordnung.

Refill-Systeme, Unverpackt-Läden und regionale Kreisläufe

Während wir noch an den gängigen Marken mit ihren Standardverpackungen festhalten, laufen daneben Nachfüllkonzepte und Unverpackt-Läden zu Hochform auf. Shampoo, Duschgel, Reinigungsmittel – alles ist hier lose erhältlich, eigene Behälter können mitgebracht werden. Einige Marken haben eigene Refill-Stationen im stationären Handel, andere versenden Nachfüllbeutel aus dünneren Materialien, die weniger Kunststoff nutzen als die ursprüngliche Verpackung.

Nachfüllsysteme machen vor allem bei Produkten mit hoher Umschlagshäufigkeit und stabiler Rezeptur Sinn. Bei empfindlichen Formulierungen, wie etwa Cremes mit hohem Wasseranteil und wenig Konservierung, sind Nachfüllkonzepte hygienisch anspruchsvoller und daher weniger verbreitet. Wer regional einkauft, unterstützt außerdem kleinere Manufakturen, die meist transparenter über Bezugsquellen und Produktionsbedingungen informieren.

Ein weiterer Baustein ist die Entsorgung. Leere Kosmetikverpackungen gehören in Deutschland in den gelben Sack oder die Wertstofftonne, sofern sie vollständig entleert sind (Pumpspender vorher abnehmen!). Glasflakons werden im Altglascontainer gesammelt, Aerosoldosen ebenfalls über die Wertstofferfassung. Eine korrekte Trennung sorgt für höhere Recyclingquoten und verhindert, dass wiederverwertbare Materialien in der Verbrennung landen.

Wer diese Ansätze kombiniert, verändert nicht nur seinen eigenen Verbrauch, sondern beeinflusst auch durch sein Kaufverhalten das Angebot. Hersteller reagieren auf steigende Nachfrage nach reduzierten Verpackungen, transparenten Lieferketten, geprüften Rezepturen. Wir dürfen also hoffen, dass auch die Auswahl an nachhaltiger Kosmetik auf lange Sicht wächst.