Seien Sie ehrlich. Wieviel Zeit haben Sie sich heute Morgen für Ihr Frühstück genommen? Waren es 15 Minuten? So viel Zeit braucht Ihr Körper, bis sich ein Sättigungsgefühl einstellt. Oder haben Sie nur einen Kaffee „to go“ gehabt, den Sie sich auf den Weg zur Arbeit noch schnell organisiert haben?

Wir führen keine Statistik, aber Fakt ist: Wer am Tisch sitzt, nimmt ab. Egal ob zum Frühstück oder zu anderen Mahlzeiten. Das klingt doch einfach. Wie das funktioniert? Das erklärt Ihnen Heiko Antoniewicz in seinem Gastbeitrag. Antoniewicz ist gelernter Koch, Kochbuchautor mit diversen Auszeichnungen und Impulsgeber. Wenn sich einer mit Essen und dem richtigen Umfeld beim Essen auskennt, dann er. Gewichtsabnahme inklusive.

Doch der Reihe nach. Zurück zum Kaffee:

Den Kaffee holen sich in der Tat viele Menschen „to go“. Wir genießen ihn nicht in einem Café, wir schütten ihn im Laufschritt in uns rein. Wir essen nicht mehr gemeinsam mit den Mitgliedern unseres Haushaltes, weil wir viel zu oft zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause kommen. Außerdem verschwenden wir keine Zeit mit einer Sache. Wir lieben es, mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Abendessen vor dem Fernseher oder mit dem Smartphone in der Hand, wo uns erst die Nachrichten den Appetit nehmen und wir danach Schauspielern dabei zusehen, wie sie das Leben genießen. Bis zum Happy End. Dann nochmal Nachrichten oder Internet – was auch immer. Das Mittagessen am Schreibtisch, während wir noch schnell irgendetwas ungeheuer Wichtiges abschließen müssen… Wir leben multitasking. Auf der Waage wundern wir uns dann, woher das Gewicht kommt, können wir uns doch nicht so richtig daran erinnern, was wir alles gegessen haben. Denn was trotz großer Portionen, Chips und Schokolade bleibt, ist ein Hunger nach Zufriedenheit. Und diesen Hunger können wir nur stillen, wenn wir das, was wir gerade tun, bewusst tun.

Was wir essen und wie wir essen

Es ist wichtig, wie wir essen. Essen hat etwas mit unseren Sinnen zu tun, mit Sinnlichkeit. Essen ist mehr als bloße Nahrungsaufnahme, es ist Leben, Genuss, Wellness. Allein der Duft von einem guten Essen wirkt wie eine Aromatherapie. Wir entspannen uns, fühlen freudige Erwartung. Danach nehmen wir körperlich Kontakt mit unserem Essen auf. Bei Fingerfood mit den Fingern, verwenden wir Besteck, sind es unsere Lippen. Wir spüren Temperatur und Textur. Dann das Mundgefühl und das Bauchgefühl. Gutes Essen macht nicht nur den Körper satt, es nährt die Seele. Wir fühlen uns danach einfach glücklich.

Eine Anleitung zum Essen

Wir fragen uns, wie genau das Essen zelebriert werden muss, um zufrieden und glücklich zu werden. Dabei ist es mehr eine Frage der Achtsamkeit mit sich selbst und eine Frage des Bewusstseins für das Essen, das einem gut tut.

Die Zutatenliste

Zu einem guten Essen gehören in erster Linie gute Zutaten. Frisches Gemüse, gute Öle, Kräuter, Gewürze… Und dann natürlich ein Tisch!

Das richtige Umfeld – probieren Sie es aus

Wer am Tisch isst, deckt ihn auch schön. Angefangen von einer Tischdecke, Servietten, passendem Geschirr, Besteck, dazu die richtige Beleuchtung und Musik.

Sie haben die Wahl der Waffen… Probieren Sie es aus. Essen Sie ein und dasselbe Essen von unterschiedlichem Besteck – Plastik, Holz, Metall, Silber, Porzellan, Finger. Wenn Sie danach nur noch mit den Fingern essen wollen, perfekt. Sinnlicher geht es kaum! Tellerfarbe, Beleuchtung, Musik, das alles hat Einfluss darauf, wie wir unser Essen wahrnehmen. Die gleiche Speise im fine dining Ambiente schmeckt ungleich besser, als an einem schäbigen Tisch oder „to go“. Auch das lässt sich leicht ausprobieren. Decken Sie Ihren Tisch. Platzieren Sie die Teller, das Besteck, die Stoffservietten und eine kleine Deko – Kerzen oder ein paar Blumen – liebevoll und achtsam. Achten Sie auf ausreichendes Licht. Nicht zu dunkel, das Auge isst mit, nicht zu hell, wir wollen nicht sezieren. Machen Sie sich schöne Musik an. Harmonische Klänge, die Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Jetzt setzen Sie sich an diesen wunderschönen Tisch und essen. Am nächsten Tag essen sie das gleiche Essen, während sie von einem Termin zum Nächsten hasten. Ziehen Sie Ihr Resümee.

Der Tisch und sein Einfluss

Wir gewinnen Zeit. Wieso? Ganz einfach – wir kommen zur Ruhe, wir sind achtsam mit uns, wir leben bewusst. Wie heißt es so schön: Geh‘ langsam, wenn Du es eilig hast! Genau das ist der Trick. Anstatt dem Leben und dem Genuss des Lebens hinterher zu hasten – nur noch das, dann kann/habe/darf… – beginne ich zu leben. Wir leben im Augenblick. Sie werden sehen, wie schnell danach die Dinge erledigt sind, die Sie vor sich herschieben, weil Sie keine Zeit haben. Die bewusste Pause zum Essen, in der wir nichts anderes tun als essen, ist unsere kleine, persönliche Wellnessinsel.

Alle Mahlzeiten am Tisch einnehmen

Bewusstes Essen ist nichts, was man nur gelegentlich oder vielleicht am Abend machen sollte. Jede Mahlzeit ist es wert, bewusst wahrgenommen und eingenommen zu werden. Wenn das Frühstück „nur“ aus einer Tasse Kaffee besteht, dann trinken wir sie bewusst. Dabei verzichten wir auf Smartphone oder was auch immer, wir trinken einfach unseren Kaffee und genießen sein Aroma in vollen Zügen. Dieser Moment gehört dieser Tasse Kaffee und uns.

Die Umsetzung im hektischen Alltag

Der Alltag ist nichts anderes als unser Leben. Wenn uns etwas wirklich wichtig ist, gibt es kein „aber“, dann setzen wir es um. Wir sind uns wichtig. Es ist eine einfache Veränderung, die wir in unser Leben einladen. Neugierig und voller Erwartung. Statt Kaffee und Smartphone zum Frühstück, Kaffee und wir selbst. Sonntags frühstücke ich persönlich zum Beispiel gerne mit allem! Allein die Vorbereitung ist schon ein Genuss. Die Küche riecht nach gebratenen Eiern, frischem Orangensaft, Kaffee, Marmelade, geröstetem Brot, der gedeckte Tisch lacht mich an und dann kommt das Beste – ich genieße alles! Ich genieße es, zu frühstücken und sonst nichts zu tun. Vielleicht noch ein Tipp: Situationsbedingt trinken wir im Moment ja unterwegs den Kaffee „to go“. Deckel runter, sofern einer drauf ist, Nase in den Becher stecken, Augen schließen und riechen. Für den Moment erlauben wir der Welt um uns herum still zu stehen und versinken in unserer Genussinsel.

Bewusst essen

Wir haben verlernt, das Essen nicht mehr bewusst wahrzunehmen. Zeit ist ein Statussymbol geworden, vielmehr: Keine Zeit zu haben. Wir sind alle so „busy“, so unersetzbar. Wir haben keine Zeit für so etwas profanes wie die Nahrungsaufnahme.

Fazit

Fangen wir an, uns wieder an den Tisch zu setzen. Das macht nicht nur satt, sondern auch zufrieden. Und die Waage dankt es uns.

© Heiko Antoniewicz

Zu Heiko Antoniewicz

Seit seinem zwölften Lebensjahr dreht sich in seinem Leben alles ums Essen. Von der Auswahl der Zutaten, das Kochen an sich und dem Genuss des fertigen Gerichts.

Antoniewicz ist kein Koch im klassischen Sinne. Er betrachtet Gastronomie und Kochen aus der Vogelperspektive und erkennt Zusammenhänge, die bisher nicht gesehen wurden. Er entfaltet Ideen und entwickelt Food-Konzepte. Er gibt der gesamten Branche Impulse, bevor sie Trend werden. Dabei bleibt er intuitiv. Seine wichtigsten Werkzeuge sind Kopf, Herz und Bauch.

Zahlreiche Auszeichnungen belegen, dass sich Antoniewicz in seinem Metier auskennt. Als Koch, Feinschmecker, Ideengeber und Inspirator.

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Die Beauty-Guide Redaktion dankt Heiko Antoniewicz für seine Erkenntnisse.