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Reise ins Reset

Gestresste ManagerBildquelle: Pixabay

Wenn Kopf und Körper schweren Stress erleiden, verschafft Managern der normale Urlaub oft keine ausreichende Erholung mehr. Zugleich wollen aber auch viele keinen Klinikaufenthalt. Als Alternative „springen“ immer mehr Hotels und Medical Resorts mit ihren hauseigenen Burnout-Programmen „ein“. Drei Bespiele, die zum Reset bewegen.

Keine Zeit für mindestens zwei Wochen Auszeit. Das ist für etliche hochbelastete Berufstätige schon bei der Entscheidung für ein Burnout-Programm im Hotel eine riesige Hürde, beobachtet immer wieder Karl Anton Frei, Verantwortlicher für die F.X. Mayr Kurberatung im Gesundheitszentrum Rickatschwende in Dornbirn. Denn wie soll man Zeit finden für mehr Gesundheit und Wohlsein, wenn mangelnde Zeit eine Ursache für die Burnout-Empfindungen ist?

Stress, Druck, unerfüllte Erwartungen – diese Themen scheinen heute allzeit präsent und belastend im Alltag zu sein. „Viele Manager, die zu uns kommen, stehen zudem so sehr unter Daueranspannung, dass sie Ruhemomente schon gar nicht mehr ertragen können, nicht mehr in den Ruhemodus zurückfinden und dafür Bewältigungsmechanismen wie die Flasche Wein am Abend entwickeln“, erklärt Karl Anton Frei. Auch Dr. Günther Beck, Leiter des Villa Vitalis Medical Health Resort im oberösterreichen Aspach, stellt fest, wie sehr den Menschen die Fähigkeit zum Ausgleich verloren gegangen ist: „Selbst in der klassischen Freizeit setzen viele auf Selbstoptimierung, z. B. beim Sport mit dem Fokus auf Spitzenleistungen.“ Und Dr. Andreas Färber vom Klosterhof in Bayerisch Gmain scheint vor allem das zu meinen, wenn er von der großen Gefahr spricht, dass die angestrebte Achtsamkeit am Ende wieder in die Selbstoptimierung rutscht.

Hotel riecht besser
Was als „Burnout“ in den 1970er Jahren noch im Sinne einer Überlastung von in Sozialberufen tätigen Menschen beschrieben wurde, hat sich zu einem allgegenwärtigen Krankheitsgefühl entwickelt, das Betroffene in ihrem Alltag ausknockt. Die aktuellen Fehltage-Statistiken bestätigen, dass in Deutschland Arbeitnehmer immer häufiger wegen Überlastung und Erschöpfung krankgeschrieben werden. Allein von 2012 bis 2016 sei die Zahl der daraus resultierenden Fehltage von 19,97 Mio. auf 30,53 Mio. im Jahr gestiegen, berichteten im Mai 2018 die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Aber am Ende sind dies bisher nur vage Zahlen, denn bis heute fehlt der Diagnose Burnout eine offizielle ICD-Codierung. „Viele Betroffene fallen deshalb unter den Depressionscode und fühlen sich als depressiv stigmatisiert“, meint Dr. Andreas Färber. Dabei steckt hinter einem Burnout ein komplexes Bündel an Symptomen, das ist allseits bekannt. Können Hotels und Medical Resorts anstelle von Kliniken hierauf fundierte, nachhaltige Behandlungsantworten finden?

Mit Blick auf die große Zahl der Gäste, die zur Prävention kommen, scheint dies gegeben. Aber auch bei schwereren Fällen sind viele Häuser mit eigenen Burnout-Programmen gut aufgestellt, weil sie über professionelle, medizinische Abteilungen verfügen. „Betroffene suchen heute häufig eine Alternative zur klassischen Schulmedizin in Kliniken“, erklärt Dr. Andreas Färber, Inhaber des Klosterhof, Premium Hotel & Health Resort in Bayerisch Gmain und Arzt im hauseigenen Artemacur Gesundheitszentrum. „Hotels bilden für Burnout-Gäste ein ganz anderes Setting als Kliniken. Sie riechen anders, sie geben ihnen ein anderes Gefühl, und wir unterstützen dieses Gefühl u. a. mit unserem Gästemix aus mehrheitlich „normalen“ Hotelgästen im Haus.“ Quasi weg vom klassischen Kururlaub hin zu einem inspirierenden Aufenthalt in Wohlfühlatmosphäre.

Auch die Villa Vitalis setzt auf ihrer Homepage auf moderne Designhotelbilder mit Poolterrasse und Wellnessluxus. Zugleich finden sich aber auch detaillierte medizinische Zielsetzungen und Angebote. „Seit einiger Zeit informieren wir viel mehr darüber als über das Hotel, weil Betroffene solche Angebote gezielt suchen“, berichtet Dr. Günther Beck.

Körper schlägt Kopf
Konkret schwören viele Stressmanagement- und Burnout-Programme auf eine körperliche Verbesserung mit körperlichen Maßnahmen, die wiederum entlastend und entspannend auf die Psyche wirken. Das Gesundheitszentrum Rickatschwende, das auch über einen Hotelteil mit knapp 50 Zimmern verfügt, blickt dabei auf eine rund 30-jährige Erfahrung zurück und setzt vor allem auf F.X. Mayr. Die Gäste erhalten nach einem Anamnese-Gespräch einen Mix aus Körperanwendungen, Massagen und Bewegungseinheiten, z. B. im Pool- oder im Fitnessbereich. Das Ernährungsprogramm umfasst schonende Komponenten, die den Körper entgiften und entsäuern. Die Gäste lernen, ruhiger und bewusster zu essen. Und jeden Tag nimmt der Gast an einer der 40 Gruppenaktivitäten teil. „Wir arbeiten nach dem Prinzip Körperarbeit löst Kopfarbeit ab, denn Bewegung fördert Entspannung“, erläutert Karl Anton Frei. Die Gäste würden von Tag zu Tag ruhiger werden. „Nach mindestens zehn Tagen fühlen sie sich wirklich entspannter und haben gelernt, sich wieder mit ihren Gefühlen zu verbinden“, erklärt er. „Schließlich erlernen sie wieder eine Selbststeuerung ihrer Gesundheit, stellen sich Fragen für eine Work-Life-Balance und ändern im Idealfall ihre Einstellungen zu Stresssituationen.“

Auch in der 2012 neu erbauten, 18 Zimmer umfassenden Villa Vitalis, die mit dem Gesundheitszentrum Aspach verbunden ist, setzt man im Bereich Stressmanagement sowie Burnout-Prävention und -therapie auf die Verknüpfung von klassischer Diagnostik und gezielten, wirksamen Behandlungen. Dazu gehören auf der Basis von fünf Säulen u. a. umfassende Nährstofftherapien, Körperentgiftungseinheiten, Regulationstherapien, mentale Trainings- und Fitnessprogramme.

Und der Klosterhof in Bayerisch Gmain: „Wir haben mit unseren Wellness-, Ernährungs-, Sport- und Kulturangeboten auch all diese Komponenten für einen körperlichen und mentalen Ausgleich“, berichtet Dr. Andreas Färber. „Aber wir verbinden diese von Anfang an mit Gesprächstherapien im Sinne der von mir entwickelten Konzeptmedizin, die darauf abzielt, den Menschen zu ihren eigenen Konzepten zu verhelfen. Artemacur als die Kunst, sich selbst zu pflegen.“ Konkret heißt das: Erst als Arzt den genauen aktuellen Gesundheitszustand erklären, dann in einem tiefenpsychologischen Gespräch die Alltags- und Arbeitswirklichkeit betrachten. Immer unter den Blickwinkeln: Was ist passiert? Was kann man bearbeiten? Was sind Innen-, was Außenkomponenten? Gemeinsam wird nun ein Konzept der Entschärfung und des Umgangs mit verschiedenen Lebenssituationen entwickelt und am Ende zwei, drei Ziele formuliert. „Dies ist ganz wichtig, um Verbesserungen messbar zu machen“, betont Dr. Andreas Färber.

Wer langfristige Effekte und Erfolge auch nach dem Hotelaufenthalt spüren will, hier sind sich nahezu alle einig, braucht mindestens zwei Wochen, besser drei. Und am Ende geht es immer darum, so Dr. Andreas Färber, dass die Gäste in jedem Moment eine Wertigkeit vermittelt bekommen. „Indem sie nichts falsch gemacht haben, sondern gekommen sind, um selbst etwas ändern zu wollen.“

Kann man darauf hoffen, dass künftig die Millenials mit ihrem Work-Life-Anspruch besser mit Stress umgehen können? Die drei Experten in ihren Gesundheitszentren hoffen darauf, aber zweifeln mehr daran. „Denn heute fehlt den Menschen oftmals der Halt. Alles wird in Frage gestellt“, meint Dr. Günther Beck, und Karl Anton Frei ergänzt: „Es wird sich viel darüber klären, wie wir künftig unsere innere Ruhe definieren und finden.“

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