Es ist als Beauty-Produkt derzeit in aller Munde – besser gesagt, es gelangt aufs Antlitz vieler Frauen, die für ihre Gesichtspflege nur das Beste wollen: das Mizellenwasser. Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung? Wofür ist es gut? Handelt es sich wirklich um ein Wundermittel oder ist es nur ein neuer Name für Altbekanntes?

Der Begriff Mizelle kommt aus dem lateinischen und heißt so viel wie Klümpchen. Die „Klümpchen“ sind winzigste nanokleine Molekülkomplexe, die sowohl aus hydrophilen (wasserlöslichen) Molekülen in der Hülle als auch aus lipophilen (fettlöslichen) Molekülen im Kern bestehen. Mizellen entstehen, wenn ein Tensid, also eine Substanz, die die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit herabsetzt, auf Wasser trifft. Die klassische Seife ist z. B. ein Tensid. Mizellen gibt es somit schon so lange, wie es Waschmittel gibt – sie beschreiben nur die Struktur, zu der sich die Seifenmoleküle zusammenlagern. Nun hat die Kosmetikindustrie das Mizellenwasser als effektives Gesichtsreinigungsprodukt entdeckt, das den Abschminkprozess deutlich erleichtert und beschleunigt, nach dem Prinzip „eines für alle“. Sowohl wasserlösliche als auch auf Öl basierende Schminkprodukte werden so in einem „Abwasch“ entfernt, ganz ohne Rubbeln und Reiben, da Mizellen wie eine Art Magnet Make-up Reste binden. Mizellen sorgen dafür, dass die Reinigungs-Flüssigkeit nicht fettig erscheint, sondern sich anfühlt wie Wasser. Der Unterschied zum normalen Gesichtswasser ist, dass es nicht brennt, weil es keinen Alkohol enthält, damit aber auch nicht desinfizierend oder adstringierend (Poren zusammenziehend) wirkt. Im Gegensatz zu ölhaltigen Reinigungsprodukten hinterlassen Mizellenwasser kein fettiges Gefühl.

Da sich Make-up und Hauttalg ohne Leitungswasser entfernen lassen, ist die porentiefe Reinigung mit Mizellen vor allem für empfindliche Haut geeignet. Leitungswasser hat nicht den pH-Wert der Haut und kann somit die sensible Gesichtshaut irritieren und austrocknen. Da die Tenside in den Mizellen gebunden sind, reizen sie sensible Haut nicht. Auch wenn jedes Seifenwasser ein Mizellenwasser ist, so sind die neuen Mizellenwasser im Grunde genommen keine Seife, sondern eine Fortentwicklung eines erprobten, alten Prinzips. Und die Anwendung ist easy: Einfach die Lösung auf ein Wattepad geben und damit sanft über das Gesicht (und ggf. die Augen) streichen. Ein Nachspülen mit Wasser ist überflüssig. Mizellenwasser gibt es mittlerweile von fast jedem Kosmetik-Hersteller in unterschiedlichen Preisklassen und für verschiedene Hauttypen. Einige Naturkosmetikmarken bieten sogar reinigende Mizellenwasser an, die keinerlei negativ behafteten Inhaltsstoffe (chemische Tenside) aufweisen. Fazit: Mit Mizellenwasser wurde zwar das Rad nicht neu erfunden, doch es handelt sich um ein durchaus sinnvolles Kosmetikprodukt.

Mizellen
So sehen die Moleküle aus: Mizellen fangen Schmutz in ihrem Inneren und reinigen effektiv. (Foto: Mauritius)