Von probiotischen Lebensmitteln haben die meisten von uns schon mal gehört. Besonders bei Joghurtprodukten ist in der Werbung häufig die Rede von diesen Kulturen, die so gesund sein sollen.

Doch in letzter Zeit haben sich noch zwei verwandte Begriffe zu regelrechten Buzzwords in der Beauty-Welt entwickelt: Präbiotika und Postbiotika.

Alle drei dieser Begriffe (Präbiotika, Probiotika und Postbiotika) haben mit den Billionen von Bakterien zu tun, die in unserem Verdauungstrakt leben und arbeiten. Das Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen uns und unseren unsichtbaren Gästen hat sich zur Speerspitze der Ernährungs- und Gesundheitsforschung entwickelt. Alles, was wir über Ernährung, Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel zu wissen glaubten, wird durch die Linse des Mikrobioms neu bewertet.

Doch was hat es denn nun mit Prä-, Pro- und Postbiotika auf sich? Beauty-Guide.de klärt auf:

Definition – die wichtigsten Begriffe:

Mikrobiom 

Man kann sich das Mikrobiom wie die Population eines Landes vorstellen. In diesem Fall handelt es sich jedoch um eine Population von Billionen von Mikroorganismen, die auf der Haut und im Darm leben.

Sie variieren von Bakterien und Viren bis hin zu anderen kleinen Organismen. Einige sind hilfreich (kommensal), einige sind symbiotisch (eine relativ friedliche Koexistenz), und andere sind schädlich (pathogen).

Probiotika

Das sind die eigentlichen kommensalen (guten) Bakterien, ob lebend oder inaktiviert. Was gut für das Gesicht ist, kann sich dabei von dem unterscheiden, was gut für den Darm ist, und kann auch je nach Alter, Genetik und anderen Faktoren variieren.

Zu den Lebensmitteln, die reich an Probiotika sind, gehören Joghurt, Kefir, Sauerkraut und Kombucha-Tee. In der Hautpflege sind Probiotika lebende Organismen, die über Sprays, Cremes oder andere Formeln auf die Haut aufgetragen werden.

Präbiotika

Dieser Begriff bezieht sich auf Lebensmittel oder Inhaltsstoffe, die das Wachstum von Mikroben innerhalb eines bestimmten Mikrobioms fördern. Orale Präbiotika können (zumindest für den Menschen) unverdauliche Kohlenhydrate enthalten, die in faserigen Nahrungsmitteln wie Äpfeln, Artischocken, Leinsamen, Hülsenfrüchten, Zwiebeln usw. vorkommen. Sie können Nahrung für die Bakterien (die Probiotika) im Darm liefern.

Der Schlüssel ist, die richtigen Quellen zu essen, sodass wir die richtigen Arten von Bakterien füttern, die gefördert werden sollen. Leider können viele Präbiotika sowohl die guten als auch die schlechten Mikroben ernähren.

Präbiotika in Hautpflegeprodukten können Zucker und Öle auf pflanzlicher Basis sein, die auf diesen Quellen basieren und den Bakterien auf der Hautoberfläche Nahrung bieten.

Da sich die Mikroben, die auf der Haut leben, von denen im Darm unterscheiden, benötigen wir Präbiotika, die speziell für die Haut formuliert sind.

Postbiotika

Postbiotika sind die Nebenprodukte von Probiotika und werden meist durch Fermentation hergestellt. Sie werden häufig in der Dermatologie und Hautpflege eingesetzt. Zu ihnen gehören Inhaltsstoffe wie Milchsäure und Glycerin. Postbiotika werden oft als nützliches Abfallprodukt von Bakterien betrachtet und helfen dabei, essentielle Vitamine in der Nahrung in eine für uns verwertbare Form umzuwandeln.

Synbiotikum

Ein Synbiotikum ist ein Produkt, das sowohl Probiotika als auch Präbiotika enthält, also sowohl die Nährstoffe für das Bakterienwachstum als auch die Bakterien selbst.

Was können Präbiotika, Probiotika und Postbiotika?

Für alle Keim-Phobiker ist es vielleicht unangenehm zu wissen, dass an jedem beliebigen Tag wahrscheinlich Billionen von Bakterien auf ihrer Haut und in ihrem Darm leben. Doch statt loszurennen, um eine “entgiftende” Darmspülung zu machen, sollten wir stattdessen die winzigen Bewohner feiern.

Was wir in und auf unseren Körper geben, kann eine große Rolle für die allgemeine Gesundheit, das Altern und das Wohlbefinden spielen. Denn nicht alle Bakterien sind schlecht und es gibt tatsächlich einige, ohne die wir nicht leben können.

Das Ziel ist es, kommensale Mikroben zu pflegen und zu unterstützen, da sie die Verdauung, die Vitaminproduktion und das Immunsystem verbessern können. Außerdem halten sie die gefährlichen Mikroben davon ab, die Kontrolle zu übernehmen und Schaden anzurichten.

Das perfekte Mikrobiom muss noch erforscht werden, aber wir wissen, dass es keine Einheitsformel gibt, die für alle passt. Die DNA in jedem Körper ist einzigartig im Vergleich zu der eines anderen Menschen. Außerdem ist das Mikrobiom nicht fixiert, sondern kann sich aufgrund von Lebensstil, Alterung und Umweltfaktoren wie Ernährung, Antibiotika, Alkohol und Umweltverschmutzung verändern.

Der Vorteil eines gesunden Mikrobioms ist, dass es das Immunsystem stärkt und es besser gegen Umweltstressoren wappnet, die Krankheiten (sogar Krebs) verursachen und den Alterungsprozess exponentiell beschleunigen.

Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darmmikrobiom kann zu einem undichten Darm führen, d. h. zu einer Situation, in der schädliche Bakterien, Zellwandproteine und andere Nebenprodukte in den Blutkreislauf gelangen können. Das Ergebnis sind oft Entzündungen, die Krankheiten oder entzündliche Hautprobleme wie Ekzeme, Schuppenflechte und Akne verursachen können.

Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen zu Prä-, Pro- und Postbiotika greifen, um ihr Mikrobiom zu optimieren. Präbiotika werden in der Hautpflege immer beliebter und verbreiteter, aber wie bereits erwähnt, ernähren diese Substanzen oft die schlechten Mikroben zusammen mit den guten, sodass sie am vorteilhaftesten sind, wenn das Mikrobiom “gesund” ist und in Symbiose mit dem Körper lebt.

Auch Probiotika haben in den letzten Jahren in der Hautpflege an Popularität gewonnen und es gibt inzwischen eine große Auswahl. Allerdings sind viele Produkte auf dem Markt gar nicht wirklich “probiotisch”, sondern meist eher Prä- oder Postbiotika. Alles, was zum Beispiel die Bezeichnung “Ferment” oder “Lysat” trägt, ist kein Probiotikum, auch wenn es als solches vermarktet wird.

Zu den am häufigsten verwendeten Bakterien gehören die Milchpropionsäurebakterien (PAB) Lactobacillus und Bifidobacterium. Da diese Mikroben in der Haut nicht natürlich vorkommen, wird noch untersucht, ob sie lange genug leben und gedeihen können, um einen Nutzen zu bringen.

Die Hürde bei der Herstellung probiotischer Hautpflege für die Massenproduktion besteht darin, einen guten Weg zur Konservierung zu finden, da die Funktion von Konservierungsmitteln eigentlich ja darin besteht, Bakterien und Hefe aus dem Produkt zu entfernen. Dadurch ist es bei der Formulierung eines probiotischen Produkts, dessen aktiver Bestandteil Bakterien sind, natürlich eine Herausforderung, ein Konservierungssystem zu finden, das die Hautpflege haltbar macht und gleichzeitig das Leben und die Funktion des Probiotikums ermöglicht. Aus diesem Grund wendet sich die Industrie zunehmend den Präbiotika zu, die eine längere Haltbarkeit haben.

Probiotische Hautpflege oder doch nur ein Marketing-Hype?

Aufgrund all dieser Faktoren kann es schon ein bisschen verwirrend sein, herauszufinden, worauf man bei probiotischen Hautpflegeprodukten, die ein gesundes Hautmikrobiom fördern achten sollte. Hier sind einige Tipps:

  1. Ein Reinigungsprodukt, das Salicyl- und Milchsäure enthält, reinigt die Haut, ohne den natürlichen Feuchtigkeitshaushalt der Haut zu stören, und hilft so, das Mikrobiom auf Erfolgskurs zu bringen.
  2. Ein präbiotisches Serum kann die natürliche Hautbarriere wiederherstellen und mit Inhaltsstoffen wie Hyaluronsäure, Peptiden und grünem Tee eine unterstützende Umgebung für ein gesundes Mikrobiom in der Haut schaffen.
  3. Bei Unreinheiten oder roter, fleckiger Haut, schreit das Mikrobiom der Haut förmlich um Hilfe. Eine probiotische Maske hilft, die Haut zu entgiften und einen klareren Teint zu bekommen.

Das Problem: Leider enthalten die meisten Hautpflegeprodukte, die sich als “probiotisch” bezeichnen, keine lebenden Mikroben und sind daher nicht wirklich probiotisch, sondern eher ein Marketing-Hype.

Fazit

Probiotische Hautpflege steckt noch in den Kinderschuhen und es gibt leider viel mehr große Versprechungen als seriöse Beweise für ihre Wirkung.

Ein guter erster Schritt ist es daher, sich auf die Verbesserung der Darmgesundheit zu konzentrieren, von der wir wissen, dass sie auch einen großen Einfluss auf die Haut und die allgemeine Gesundheit hat. Mehr Ballaststoffe (ein gutes altes Präbiotikum) in die Ernährung aufzunehmen, wird sich jenseits aller Beauty-Trends auf jeden Fall lohnen!