Auch wenn reißerische Fotos von blutigen Gesichtern den Eindruck erwecken, Stars und Sternchen ließen sich a la Graf Dracula für die Schönheit malträtieren: Was medienwirksam als „Vampir Lifting” bezeichnet wird, ist ein schonendes und durchaus seriöses dermatologisches Verfahren. Das Plasmalifting wird zur Hautverjüngung oder auch bei Haarausfall eingesetzt.

Risikoarme Anwendung beim Plasmalifting

In Hollywood ein Hype, findet auch hierzulande ein ästhetisches Verfahren zur Hautverjüngung zunehmend Interesse: das sogenannte Vampir­ Lifting oder Dracula Facelift. “Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass mit dem eigenen Blut der Patientin oder des Patienten behandelt wird”, erklärt Dr. Harald Bresser, Hautarzt in München.
Verwendet wird sogenanntes plättchenreiches Plasma (platelet rich plasma, PRP). Um dies zu gewinnen, wird eine kleine Menge Blut aus der Vene entnommen, das anschließend zentrifugiert wird. Durch die spezielle Aufbereitung trennt der Arzt Blutplasma von den roten Blutkörperchen und erhält ein Konzentrat, das reich ist an Thrombozyten (Blutplättchen). Das weißlich aussehende Thrombozytenkonzentrat wird mit feinsten Nadeln unter die Haut eingespritzt. “Das Gesicht sieht anschließend keineswegs blutverschmiert aus”, erläutert der Hautarzt.
Nach der Behandlung hat der Patient keine Ausfallzeit, sondern kann seinen Alltagstätigkeiten nachgehen. Die Anwendung ist unter örtlicher Betäubung schmerzarm und bei richtiger Anwendung sehr risikoarm. Selten kann es zu kleinen Blutergüssen, Rötungen und Schwellungen kommen. Die Behandlung dauert inklusive Blutabnahme und Aufbereitung etwa 45 Minuten.

Wirksam auch bei Haarausfall

Das alleinige Auftragen von PRP ist wirkungslos, da die Inhaltsstoffe des Plasmas die obere Hautbarriere nicht durchdringen können, erklärt Dr. Bresser. Alternativ zum Einspritzen kann eine Vorbehandlung mit dem fraktionierten Laser oder ein Microneedling erfolgen, damit das plättchenreiche Plasma gut in die Haut eindringen kann.
“Die Anwendung von PRP basiert auf einem gut untersuchten wissenschaftlichen Hintergrund”, so Dr. Bresser. Thrombozyten führen zur Freisetzung unterschiedlicher Wachstumsfaktoren, die eine wichtige Rolle bei der natürlichen Wundheilung und Geweberegeneration spielen. Das machen sich beispielsweise Orthopäden oder Sportmediziner zunutze, die Fußball- oder Tennisprofis mit PRP behandeln. Dermatologen wenden das PRP beispielsweise bei verschiedenen Formen des Haarausfalls an der Kopfhaut an, um das Haarwachstum zu fördern.
Beim Plasmalifting zur Hautverjüngung wird das Thrombozytenkonzentrat im Gesicht, am Hals und Dekollete, aber auch an den Händen eingesetzt, um die Zellerneuerung, insbesondere die Bildung von Kollagen, anzuregen. Das Hautbild wirkt frischer und jünger, die Haut wird straffer und feine Fältchen werden geglättet. Erste Effekte sind bereits unmittelbar nach der Anwendung sichtbar, die Wachstumsfaktoren entfalten
ihre volle biologische Wirkung aber nach einigen Tagen und Wochen. Eine jährliche Auffrischung stabilisiert den Behandlungserfolg.

Das gibt es zu beachten

Herstellung und Anwendung des PRP sind allerdings nicht standardisiert. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte die Behandlung daher von einem versierten Dermatologen durchgeführt werden. In der Schwangerschaft sowie bei Blutgerinnungsstörungen, Infektionen, entzündlichen Hauterkrankungen und bei Krebserkrankungen sollte das Verfahren nicht eingesetzt werden.
Patientinnen und Patienten schätzen das Plasmalifting als sanftes, natürliches und biologisches Verfahren zur Hautverjüngung, für das Substanzen des eigenen Körpers eingesetzt werden. Aber selbstverständlich sei das Plasmalift kein „Wundermittel” für alle Probleme der Hautalterung, so der Dermatologe. Daher sei eine Kombination mit anderen Verfahren oft sinnvoll, um ein ansprechendes Ergebnis zu erreichen. Mimikfalten beispielsweise an der Stirn oder an den Mundwinkeln können zusätzlich mit fein dosiertem Botulinumtoxin A entspannt werden.
Tiefe Falten und Volumenverluste an Wangen oder Lippen werden mit unterschiedlichen Fillern ausgeglichen. Das Hautbild kann alternativ zum Plasmalift beispielsweise durch unterschiedlich tiefe Peelings aufgefrischt werden. Zur schonenden Hautstraffung steht unter anderem Radiofrequenzstrom zur Verfügung. Auch moderne Lasersysteme, mit denen sich Hautstruktur, Falten und rote Äderchen behandeln lassen, haben unter den ästhetischen Verfahren einen großen Stellenwert.
Wer eine Hautverjüngung wünscht, sollte sich ausführlich über die breite Palette an Behandlungsaltemativen in der Hautarztpraxis informieren und sich beraten lassen, welches Verfahren individuell am besten geeignet ist.

 

Quelle: Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V.