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Umarme den Tiger

Asiatische EntspannungBildquelle: panthermedia

So sehr wir im Westen heute auf der Suche nach Balance, Entspannung und Sinn sind, so sehr hat der Osten schon vor Jahrtausenden mit Qigong, Tai-Chi oder Shiatsu die richtigen Antworten gefunden – und diese mitten in den Alltag integriert. Welche asiatische Entspannungstechnik passt zu wem und lässt sich leicht selbst oder mit Hilfe anwenden?

Langsamer werden, Innehalten, Verspannungen lösen. Mindestens einmal am Tag. Die uralten, asiatischen Entspannungstechniken sorgen so nicht nur für innere Ruhe, sondern zugleich für Wohlbefinden und Körpertraining im Alltag. Sie unterscheiden sich vor allem darin, ob sie allein, in der Gruppe oder mit Hilfe eines anderen angewendet werden, in der Form ihrer Bewegungen und in ihrer Entstehungsgeschichte. Tai-Chi zum Beispiel war ursprünglich eine chinesische Kampfkunst, die, laut einer Legende, als Selbstverteidigungstechnik von einem Mönch um 700 n.Chr. entwickelt wurde, der sich von einem Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich inspirieren ließ. Heute gibt es verschiedene Stile mit vorgeschriebenen Bewegungsabläufen und bis zu 108 Figuren, die wie „Umarme den Tiger“ vornehmlich Tieren nachgeahmt sind. Viele werden allein ausgeführt, manche mit Partner, in der historischen Form auch einige mit Waffen – in jedem Fall wurde Tai-Chi im Lauf der Entwicklung stark verlangsamt, um mit zeitlupenartigen, fließenden Bewegungen die Haltung zu verbessern, Gelenke zu lockern und eine Körperentspannung herbeizuführen.

Auch das chinesische Qigong trainiert und kombiniert dabei, ähnlich wie beim indischen Yoga, ganzheitliche Bewegungsübungen mit Atem- und Konzentrationsübungen, um das Qi, also die eigene Körperenergie, zu harmonisieren. Es gibt verschiedene Qigong-Formen wie die „Stehende Säule“, bei der im Stand langsame Bewegungen ausgeführt werden. Damit eignen sich sowohl Qigong als auch Tai-Chi und Yoga vor allem für jene, die in ihrem Alltag nicht nur Entspannung suchen, sondern auch die eigene körperliche Fitness trainieren wollen – ganz nach dem chinesischen Sprichwort: „Wer Tai-Chi übt, wird stark wie ein Holzfäller, gelassen wie ein Weiser und geschmeidig wie ein Kind.“ Die Bewegungsformen von Thai-Chi, Qigong oder Yoga lassen sich allein oder in Kursen erlernen und danach regelmäßig allein oder in der Gruppe praktizieren.

Anders ist dies bei Reiki oder Shiatsu. Bei beiden japanischen Heilkünsten geht es primär darum, durch Handauflegen Energieblockaden zu lösen, und beide werden nach einem Kursbesuch vor allem auch von anderen bzw. beim anderen angewendet. Shiatsu ist dabei eine Massagetechnik, bei der mit den Fingerkuppen, Handflächen und seltener auch mit Ellenbogen, Unterarmen oder Knien die Meridiane in Form einer Druckpunktmassage behandelt werden. Reiki wiederum wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts von einem japanischen Theologieprofessor entwickelt, indem durch das sanfte Handauflegen bei sich selbst oder bei anderen Lebensenergien aktiviert werden. Damit sollen sowohl die Selbstheilungskräfte als auch die körperliche und geistige Entspannung gestärkt werden. Im Rahmen eines Einführungskurses, zum Beispiel an einem Wochenende, muss der Praktizierende eine „Einweihung“ erfahren, d.h. der Reiki-Lehrer stellt eine energetische Verbindung zwischen ihm und der Reiki-Quelle (Gott o.Ä.) her. Danach kann man Reiki in verschiedenen Graden bei sich selbst oder anderen anwenden. Die Wirkung ist medizinisch nicht bestätigt. Aber, wie bei vielen asiatischen Entspannungstechniken, geht es letztlich auch um eine andere Form des Herunterkommens und des Mit-sich-Selbst-Beschäftigens, die im Alltag vieler einen echten Kontrapunkt setzt. Quasi relaxing by doing.

 

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