In der westlichen Welt hat die Kosmetikindustrie vor einiger Zeit den Schneckenschleim als Wirkstoff entdeckt, der in Südkorea schon länger im Trend liegt. Was ist dran an der „schleimigen“ Beauty-Verheißung?

Was den Asiaten recht ist, war den Europäern im vorletzten Jahrhundert bereits billig: Auch im Alpenraum kannte man den ungewöhnlichen Inhaltsstoff. Zu Sisis, also Kaiserin Elisabeths Zeiten galt Schneckenschleim schon als geheimer Schönmacher. Und sogar im Alten Griechenland soll der Arzt Hippokrates aus zerstoßenen Schnecken und saurer Milch ein Mittel gegen Hautentzündungen gebraut haben. Vor rund 30 Jahren entdeckten Landwirte in Chile, die Schnecken zum Verzehr züchteten, dass der Schleim schöne zarte Hände macht. Spätestens diese Erkenntnis rief die Wissenschaft auf den Plan. Aber nur das Sekret einer Weinbergschnecke kann genutzt werden; Nacktschneckenschleim würde die Haut allenfalls reizen. Wer an das alte Hausmittel „Schnecken gegen Warzen“ glaubt, sollte also auf jeden Fall zur Weinbergschnecke greifen.

Schnecken besitzen insgesamt acht Schleimdrüsen. Zum Kriechen benutzt das Tier einen etwas anders zusammengesetzten Schleim als zur Abwehr von Feinden, gegen Trockenheit, Bakterien und UV-Strahlung – also Faktoren, die auch menschliche Haut stark beanspruchen. Interessant für die Kosmetikindustrie ist der Abwehrschleim, weil er Wundheilungseigenschaften besitzt. Schneckenschleim wird von der natürlichen Ausscheidung der Weinbergschnecke (Helix Aspersa oder Helix Pomatia) gewonnen. Angeblich wird den Schnecken dabei kein Fühler gekrümmt, der Schleim mit Mikrostäbchen entnommen. Er ist reich an Glycolsäure, Elastin, Kollagen, Vitaminen A, C und E sowie Allantoin und hat eine feuchtigkeitsspendende und regenerierende Wirkung. Er ist wirksam gegen Falten, Akne und andere Narben, Altersflecken, Rötungen und Reizungen; Dehnungsstreifen werden gelindert. Aber das passiert nicht sofort, sondern zeigt sich schrittweise. Hier ist also Geduld bei der Anwendung gefordert.

Es gibt weltweit inzwischen zahlreiche Spas, in denen sich die Kunden lebende Schnecken über die Haut kriechen lassen. Wer das nicht besonders attraktiv findet, kann sich den Schneckenschleim als gereinigtes Sekret, eingebracht in Cremes, Seren und Lotionen, auf die Haut auftragen. Einem Trend „schleimt“ der Naturwirkstoff auf jeden Fall entgegen: dem zu veganer Kosmetik. Und dank der leichten, schnell einziehenden Texturen der modernen Cremes hat man in keiner Weise das Gefühl, sich „schleimig“ zu fühlen.